Zickenkrieg im Sandkasten: Mütter, lasst uns endlich zusammenhalten!

zickenkrieg

Lange bevor ich Mutter wurde, habe ich mich intensiv mit dem Thema Mutter sein beschäftigt. Ich hatte eine Mischung aus Faszination und Ekel für diese sonderbaren Geschöpfe namens Mama. Sie waren mir suspekt. Und weil sie mir suspekt waren, konnte ich sie nicht tolerieren. Ich rollte mit den Augen, wenn mal wieder eine Mutter mit ihrem Kinderwagen den ganzen Gehweg blockierte. War genervt, wenn ein Kind minutenlang seinen Trotzanfall in der Straßenbahn im besten Feierabendverkehr auslebte. Und wenn ich mit Freundinnen im Park saß und Mütter mit ihren Kindern beobachtete, so ließen wir kein gutes Haar an ihnen. Die Brut so verzogen. Das Outfit so schluderig. Und überhaupt: die geballte Inkompetenz in Person! 

Rückblickend finde ich es ganz drollig, dass ich in meiner ersten Schwangerschaft aus allen Wolken fiel, als ich auf einmal auf der anderen Seite stand. Plötzlich war ich nicht mehr die Angreiferin, sondern die Angegriffene. Der Satz: „Ein Kind kann man planen, ein Studium auch. Ihre Schwangerschaft ist nicht unser Problem und wir können da auch keine Rücksicht drauf nehmen“ traf mich hart. Ich bat um eine Fristverlängerung von acht Wochen für die Abgabe meiner Diplomarbeit. Der gesetzliche Mutterschutz sieht sechs Wochen mehr vor und laut Hochschulrahmengesetz hätte mir sogar ein ganzes Semester Auszeit zugestanden. Das hat weder den Leiter des Prüfungsamtes, noch seine Mitarbeiter, noch den Hochschuljustiziar interessiert. Und mich über sechs Monate Kraft gekostet, die ich für meine Schwangerschaft gebraucht hätte. Kraft, mich zu wehren und für mein Recht einzustehen! Hat durch Androhung von Klage, Einschalten des Wissenschaftsministeriums sowie der Aktivierung guter Pressekontakte dann schließlich auch geklappt. Nur: ich bin aus allen Wolken gefallen und konnte kaum fassen, was mir da passiert war. Wir schrieben immerhin das Jahre 2011 und ich war beim besten Willen nicht darauf vorbereitet, dass mir nur auf Grund des Umstands Mutter zu werden derart Ablehnung, Widerstand und Ressentiments entgegenschlagen würden.

Wer sich in Spiri-Kreisen bewegt, hat sicher schon vom Gesetz der Anziehung gehört. Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich absolut nicht verwunderlich, dass ich mich mit dem Mutter werden so schwer getan habe. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass ich Schweißausbrüche hatte, als plötzlich ich diejenige war, deren Kind sich im Feierabendverkehr in der Bahn in Rage schrie. Es ist nicht verwunderlich, dass ich meinen eigenen Perfektionsansprüchen an mich als Frau und Mutter nicht genügen konnte und schließlich unter dieser Last zusammenbrach. Und es ist nur eine logische Konsequenz, dass ich heute als Berufs-Feministin Frauen allgemein und Mütter im Speziellen stark mache. Denn von tatsächlicher Gleichwürdigkeit, Chancengleichheit, von einem respektvollen und toleranten Miteinander sind wir – so gesamtgesellschaftlich gesehen – noch ein ganzes Stück entfernt!

Wir brauchen einen neuen Feminismus

Was mich in dieser Thematik besonders traurig stimmt: Oftmals sind es Mütter untereinander, die Ausgrenzung, Stutenbissigkeit und Disrespekt vorantreiben. Die auf dem Spielplatz oder beim Abholen von der Kita lästern, anfeinden, ächten, herabwürdigen, diskriminieren. Letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot und haben alle ein gemeinsames Ziel: uns und unsere Kinder liebevoll, sicher und mit Spass an der Freud’ durch diese bewegte Zeit zu manövrieren. Das heißt nicht, dass Du mit jedem gut Freund werden musst. Das heißt nicht, dass Du Deinen Mund halten und Deine Meinung nicht mehr äußern sollst. Nicht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und auch nicht immer lieb und nett und angepasst sein musst.

Das heißt, dass wir uns auf einer respektvollen und toleranten Ebene bewegen sollten. Dass wir anderen das gleiche zugestehen, was wir für uns einfordern: leben und leben lassen. Dass wir Ungerechtigkeiten, Ausgrenzung und Intoleranz mit einer klaren Position und einer aufrechten Haltung begegnen. Und vor allem: dass wir endlich aufhören müssen, uns als Mamas das Leben gegenseitig schwer zu machen. Und im Umkehrschluss endlich den Schulterschluss schaffen müssen. Damit wir in Frieden Mutter sein können. Und die Welt für uns und unsere Kinder ein Stück weit friedlicher und liebevoller machen.

Die Zeiten gerade sind echt abgefahren! Ein sexistischer, rassistischer, fundamentalisitischer, populistischer Despot hat es jüngst auf den einflussreichsten politischen Posten dieser Welt geschafft. In Deutschland haben wir dieses Jahr Bundestagswahlen. Und auch global gesehen ist die politische Lage aktuell mehr als spannend und herausfordernd. Wenn Du Dich also fragst, wann es Zeit ist, Position zu beziehen, die Meinungsfreiheit und unsere grundlegenden Bürgerrechte als Frau und Mensch zu verteidigen und auszudehnen – so, dass sie endlich für alle gelten: Hier ist der Ort, jetzt ist die Zeit für einen neuen Feminismus! Einen der einschließt, statt auszugrenzen. Einen der nachdrücklich, konsequent und beständig ist. Einen, der Vielfalt nicht nur zulässt, sondern auch aushält. Einen, der sich gut vernetzt und ausbreitet. Der erkennt, dass wir nur zusammen wirklich stark sind.

Stell Dir vor, es ist Mommy-War und keiner geht hin!

Neulich ging ich ohne Kinder über eine belebte Straße. Schon aus größerer Entfernung hörte ich ein Kind, dass sich die Seele aus dem Leib schrie. Und sah schnell auch die Mutter, die versuchte, den Wutling in seinen Kinderwagen zu setzen. Der kleine Kerl schrie, als wäre sein Leben in Gefahr. Als die heranwachsende, kinderlose Frau hätte ich gedacht: die hat ihr Kind nicht im Griff. Und das mit dem Mama sein nicht drauf. Als frischgebackene und hochgradig gestresste Mutter, wäre ich in eine Über-Empathie, ein Mit-Leid statt Mit-Gefühl gefallen. Und mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert gewesen – die ich postwendend auf die Frau übertragen hätte. „Für solche Fälle hat man eine Tragehilfe dabei“ oder „was will die auch um die Uhrzeit mit dem armen Kleinen in der übervollen Innenstadt!?“ oder „die versteht ihr Kind ja gar nicht“. In diesem Moment jedoch war etwas anders: ich erinnerte mich an die Situation vom Vormittag, als mein Mann und ich versuchten, den Mittagsschlaf für eine kurze Shoppingtour zu nutzen, denn ich brauchte dringend neue Schuhe. Der Kleine wachte natürlich früher auf, hatte seine eigenen Vorstellung von Schaufenster gucken und schrie Zeter und Mordio, als ich die Faxen dicke hatte und ihn in den Kinderwagen verfrachtete. Und ich tat etwas, was ich zwar schon eine Weile in meinem Kopf durchgespielt, mit diesem Nachdruck und dieser Selbstsicherheit so jedoch noch nie getan hatte: Ich ging zu der Mutter hin und ermutigte sie. Ich sagte ihr, dass ich weiß, wie anstrengend das gerade für sie ist. Und dass es besser wird!

Mit Tränen in den Augen rechtfertigte sie sich: „Ich kann den nicht mehr auf dem Arm tragen, der ist so schwer! Was soll ich denn nur machen?“ flehte sie mich um Hilfe an. „Schokolade“ sagte ich, „eine für ihn, eine für Dich!“. Die Sorgenfalten wichen augenblicklich aus ihrem Gesicht, ihre Haltung wurde aufrecht und selbstsicher und sie war vollkommen perplex und überrascht ob der Einfachheit dieser Lösung. Sie bedankte sich, ich wünschte ihr alles Gute und als ich weiterging, war kein Mucks mehr von dem jungen Mann zu hören. Ich teile dieses Erlebnis mit Dir, um Dich zu ermutigen, den ersten Schritt zu machen. Den ersten Schritt, die Schranken in Kopf und Herz zu öffnen, um in besseren Kontakt mit Dir selbst und den Menschen in Deinem Umfeld zu kommen. Den ersten Schritt zu wagen, für mehr Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Mitgefühl einzustehen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Dir an die eigene Nase zu fassen und all das zunächst einmal Dir selbst zugestehst. Damit Du es dann anderen zugestehen kannst!

Das ist ein innerer Prozess, der oftmals innere Widerstände hervorruft, eine Weile dauern kann, von Dir Einsatz erfordert und nicht immer einfach ist. Aber er zahlt sich langfristig aus: in mehr Lebensfreude, einem besseren Selbstwertgefühl, innigeren und damit für beide Seiten gewinnbringenden zwischenmenschlichen Beziehungen, mehr Gelassenheit und Nachsicht mit Dir selbst und mit den anderen – vor allem aber in einer klaren Haltung, die so schnell nicht zu erschüttern ist. Wenn Du schneller, beständiger, effektiver und geradliniger gehen möchtest, suche Dir Unterstützung – zum Beispiel bei mir. Um diesen Weg bestenfalls sogar ohne Ehrenrunde zu gehen, damit Du Deine Kraft und Energie für die wirklich wichtigen Dinge zur Verfügung hast: das Wohlergehen von Dir und Deiner Familie. Denn stell Dir mal vor: es ist Mommy-War – und keiner geht hin!

Isabel Falconer

 

 

 

Übrigens: In meinem Newsletter halte ich Dich auf dem Laufenden – ohne Spam, mit sicheren Daten und aktuell. Zur Begrüßung schenke ich Dir meine Sonnenmeditation für tiefe Entspannung, mehr Gelassenheit und ein angenehmes Körpergefühl. Unten kannst Du Dich für Post in Deine Inbox anmelden!

Inneren und äußeren Frieden üben wir gemeinsam im Kurs „Mama im Einklang“, den Du Dir hier anschauen kannst. Der Einstieg ist nachträglich noch möglich und ich und tolle Mamas freuen uns, Dich in unserem Kreis begrüßen zu dürfen!

Fragen, Anregungen, Kritik? Gerne in die Kommentare. Oder per mail an if[at]magna-mater.de. Oder persönlich per Skype/Telefon in einem privaten (und natürlich kostenfreien) Termin, den Du hier vereinbaren kannst!

Bildquelle: H. Bieser / pixabay

5 Kommentare

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    • Isabel Falconer

      Prima! Es ist wichtig, dass sich dies vielen starken Frauen formieren <3
      Herzensgruß,
      Isabel

  2. Liebe Isabel,
    es ist momy-wars und keiner kommt! Echt klasse. Genau so soll es sein. Ich darf mich glücklich schätzen, weil ich Mütter um mich habe, die zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Vielleicht auch habe ich sie angezogen, weil ich selbst unterstützend bin und offen meine Schwächen und Schwierigkeiten im Gespräch darlege, anstatt immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein zu lassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich schwach zu zeigen eine unglaublich große Stärke ist, da ganz viel Hilfe und Unterstützung des Weges kommen kann!
    LG Petra

    • Isabel Falconer

      Liebe Petra,

      aus eigener Erfahrung – privat und in meiner Arbeit – ist die innere Haltung da tatsächlich ein wichtiger Faktor! Je offener man seinen Geist und sein herz hält, desto offener begegnet einem auch das Gegenüber, ganz im Sinne von „man erntet, was man sät“. Und ja: ein ganz wichtiger Punkt dabei ist die sichtbar gelebte Verletzlichkeit, visible vulnerability. Schwäche zeigen ist eine große Stärke, man muss bloß aufpassen, das man sich in seiner Schwäche nicht verliert, sich nicht künstlich klein macht…
      Ich danke Dir für Dein Feedback und sende die allerbesten

      Herzensgrüße,
      Isabel

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