Du bist doch Mutter – warum willst Du überhaupt arbeiten?

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Wer Mutter (Eltern) wird, muss sich ja so einiges anhören. Sobald man vom kleinen Wunder im Bauch berichtet, hat auf einmal jeder eine Meinung. In der Regel sehr vehement und selten wirklich qualifiziert, denn die Meinung beruht für gewöhnlich ausschließlich auf individuellen Erfahrungswerten und nicht auf einer eingehenden und differenzierten Beschäftigung mit der Thematik. Gerade schwangere Frauen und auch Mamas von kleinen Babys werden häufig ungefragt mit steilen Thesen bishin zu Übergriffigkeiten konfrontiert. In einer Lebensphase, die naturgemäß sensibel macht und mitunter ganz schön verunsichern kann, bräuchten sie eigentlich das genaue Gegenteil.

Die Themen, um Mütter zu verunsichern, sind vielfältig. Das Ass im Ärmel ist die „Rabenmutter-Karte“ und das Schöne an diesem Ass ist, dass man es beliebig in alle Richtungen spielen kann.

Die ganz heißen Themen wie Stillen oder Impfen lasse ich an dieser Stelle einmal außen vor. Direkt danach kommt die Frage nach der Berufstätigkeit von Müttern. Wer zu früh arbeiten geht, wird schnell als Rabenmutter bezeichnet (was eigentlich ein Kompliment ist, da diese Vögel sehr treusorgende Eltern sind – allerdings ist diese Bezeichnung so ja nicht gemeint). Wer „zu lang“ zu Hause bleibt, mutiert in der öffentlichen Wahrnehmung zum Heimchen am Herd, das sich selbst für die Kinder und die Familie aufgibt. Seit meiner frühen Jugend beschäftige ich mich mit dieser Thematik und oft verstehe ich die Debatte nicht. Und zwar auf beiden Seiten.

„Lass doch Deinen Mann arbeiten gehen!“

Die Mutter, die zu Hause bleibt, kenne ich nur als Besucherin. In meinen Klassen gab es einige (wenige) Kinder, deren Mama sich ausschließlich und Vollzeit um den Familienbetrieb kümmerte. Meine Mutter managte zwar auch viel im Familienbetrieb, verfasste gleichzeitig aber Doktorarbeiten und Habilschriften, im Jahre meines Abiturs wurde sie dann schließlich auf eine ordentliche Professur berufen. Meine Mama war beruflich immer mal wieder unterwegs und saß oft bis spät abends noch am Schreibtisch, damit sie die Nachmittage mit uns verbringen konnte. Kurz zur Erinnerung: in meiner Kindheit gingen die Kinder erst mit drei Jahren in den Kindergarten und die Grundschule endete um die Mittagszeit. Heute frage ich mich oft: wie haben meine Eltern das damals geschafft, ohne familiäre Unterstützung, mit zwei Jobs, diversen Ehrenämtern, Hobbys, ohne Putzfrau und ohne staatlich finanziertes Sicherheitsnetz? Mit 50 Mark Kindergeld im Monat? Entweder waren sie wesentlich besser organisiert als ich es bin, oder es liegt tatsächlich daran, dass die Zeiten mit der Digitalisierung erheblich schneller geworden sind. Oder jammern wir zu viel? Vermutlich ist es eine gesunde Mischung.x

Als ich selbst Mutter wurde, war es für mich das Selbstverständlichste auf der Welt, dass ich arbeiten würde. Dass das nicht alle in meinem Umfeld als selbstverständlich betrachteten, ließ mich aus allen Wolken fallen. Die Mitarbeiter des Prüfungsamtes meiner Hochschule, die mir nur lapidar antworteten: „ein Studium kann man planen, ein Kind auch, darauf können wir absolut keine Rücksicht nehmen.“ Mein ehemaliger Chef, der mich wiederholt verwundert fragte: „Warum lässt Du denn nicht Deinen Mann arbeiten gehen, der verdient doch genug. Dann kannst Du Dich in Ruhe um die Kinder kümmern.“ Ein Kumpel, der mich ungläubig fragte: „Du bist doch Mutter, warum willst Du überhaupt arbeiten gehen?“ Damals hatte ich keine passenden Antworten parat – denn ich war völlig perplex von diesen Fragen und faselte nur irgendwelche Plattitüden vor mich hin.

Warum ich arbeite, obwohl ich kleine Kinder habe? Warum ich zwei Mal gegründet habe, obwohl meine Söhne noch Babys waren? Heute hab ich die passenden Antworten und lasse Dich gerne an meinen Gedanken teilhaben.

1. Warum ich arbeite? Weil ich es als meine Verantwortung betrachte!

Nun, in meiner Vorstellung gab es ehrlicherweise keine Option, die vorsah, dass ich zu Hause bleibe. Während ich mich hochschwanger mit der Hochschule darum stritt, ob ich meinen Abschluss trotz dazwischen liegender Geburt nun machen kann oder nicht, entwickelte ich eine Angst; dass es nach der Geburt genau so weiter gehen und ich als junge Hochschulabsolventin mit kleinem Kind keinen Arbeitgeber finden würde. Meine Mutter hatte mir Beruf und Karriere mit Kindern vorgelebt und für mich war sonnenklar, dass auch ich arbeiten würde. Notfalls als Kassiererin im Supermarkt. Gerne aber auch mit erheblichem Entwicklungspotential nach oben. Die Vehemenz um die Debatte, ob Mütter arbeiten gehen oder bei den Kindern bleiben sollten, wird im internationalen Vergleich nur in Deutschland (vor allem in den alten Bundesländern) so heftig geführt. Elternzeit und Elterngeld, Mutterschutzgesetz und was wir nicht sonst noch alles haben, sind weltweit gesehen absolute Luxuserrungenschaften (und das trotzdem mit einer Menge Luft nach oben). Weder  unsere Vorfahrinnen auf den Höfen und Feldern, noch unsere Tanten und Schwestern, die den Globus heute mit uns bevölkern, hatten und haben die Wahlfreiheit, sich für oder gegen das eine oder andere zu entscheiden. Da geht es schlicht und ergreifend um die Sicherung des Überlebens – also um den ursprünglichen Sinn und Zweck von „Arbeit“. In Bezug auf Kindererziehung wird ja so gerne die Entwicklungsbiologie bemüht und anhand derer begründet, warum Babys etwa gestillt, getragen und familiengebettet werden sollten. Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet das auch, dass Mütter weiterhin ihren Tätigkeiten und Verpflichtungen nachgehen, die Kinder sind dabei wahlweise altersgemischt im Kollektiv unterwegs oder stehen bei der Pflichterfüllung helfend zur Seite.

Ich sehe es also tatsächlich als meine Verantwortung – sowohl privat meiner Familie gegenüber als auch im gesellschaftlichen Kontext – einer Erwerbstätigkeit nach zu gehen und mich mit meinen Fertigkeiten und Fähigkeiten einzubringen. Abgesehen davon füllt sich weder der Kühlschrank wie von Zauberhand noch bezahlt sich die Miete von allein. Außerdem: wenn nur die Hälfte der Menschheit sich um politische, wirtschaftliche und juristische Fragen kümmert, geht das nicht gut. Das sehen wir gerade an allen Ecken und Enden in Kriegen, an der Umweltverschmutzung und an der großen humanitären Katastrophe. Aus meiner ganz persönlichen Sicht ist es im Menschen nicht vorgesehen, sich ausschließlich um die Kinder zu kümmern, und sonst nichts anderes zu tun. Beziehungsweise: die Reproduktion als ursprünglicher und primärer Zweck unserer Art bedarf eben einer Basis, die sie erst möglich macht. Die Frage: arbeiten ja oder nein ist an dieser Stelle meines Erachtens also falsch gedacht. Sie müsste lauten: Wie arbeiten? Und um ganz genau zu sein: ich habe noch keine einzige Mutter getroffen , die keiner Erwerbstätigkeit nachgeht (und ich habe davon wirklich viele gesprochen) und sich ausschließlich um die Kinder kümmert. Jede von ihnen hatte noch andere wichtige Aufgaben zu erfüllen – wurde dafür nur meistens nicht bezahlt. Nicht wenige dieser Mütter sind heute im Rentenalter und ehrlich: ich möchte mit ihnen finanziell nicht tauschen. Wenn dann die gesundhetitliche Komponente mit ins Spiel kommt, sieht es im Alter ganz schnell ziemlich düster aus.

2. Warum ich arbeite? Weil ich das Dorf mitgestalten will!

Bin ich eigentlich ein Problem für den Feminismus“ titelte Ida Riethmüller von A Bullerbü Life, über die Tatsache, dass sie keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, sondern als Familienmanagerin arbeitet. Nun, ich beobachte, dass das weit größere Problem für den Feminismus seine innere Zerissenheit ist. Die Debatte ist an dieser Stelle zu vielschichtig, um sie dezidiert und detailliert von allen Seiten zu beleuchten. Daher hier nur ein paar Stichpunkte: Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von Frauen. Wertigkeit von Care-Arbeit. Angeblicher Fachkräftemangel. Neue Arbeitswelt. Fehlende Rahmenbedingungen im System. Dringend notwendiger Ausbau von Qualität und Quantität in der Kinderbetreuung. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn. Familienfreundlichkeit in der Gesellschaft. Und alles spitzt sich zusammen auf: absolut verstaubte Rollenbilder. Als Mutter von kleinen Kindern ist es mir wichtig, einen großen Teil ihrer Erziehung, Pflege, Bildung und Bindungsfähigkeit selbst zu übernehmen und diesen nicht gegen Bezahlung auszulagern (Bäder putzen, Fußböden wischen und Wäsche falten allerdings lagere ich gerne gegen Bezahlung aus und lasse auch Teile der Kinder-Fürsorge von kompetenten und vertrauenswürdigen Personen übernehmen). Als studierte, emanzipierte und moderne Frau ist es mir wichtig, Verantwortung zu tragen. Sowohl im Kleinen innerhalb meiner Familie als auch im Großen bezogen auf unsere gesellschaftliche Entwicklung. Ebenso möchte ich die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ich mir mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand angeeignet habe, für alle Seiten gewinnbringend einbringen. So, dass auch die Gesellschaft im Großen etwas davon hat, weil Eltern Stressbelastungen vorzubeugen lernen und sie im Aktufall besser bewältigen können, damit sie sich a) gut um ihre Kinder kümmern können und das kein anderer übernehmen muss und sie b) noch genügend Energiereserven zur Verfügung haben, sich auf ihre ganz persönliche Art gesellschaftlich einzubringen.

Es heißt doch so schön: es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Und ja, wir Menschen sind für unser Überleben auf eine soziale Gemeinschaft angewiesen. Die sich um das Funktionieren und Fortkommen dieser kümmert. Und die die schwächeren Mitglieder trägt, die sich nicht einbringen können. Die Kleinen, weil sie zu klein sind und ihren Dienst erst noch leisten werden. Die Alten, weil sie zu alt sind und ihren Dienst schon geleistet haben. Die Kranken, weil sie zu krank sind und ihren Dienst in dieser Form nicht leisten können. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben: in einer, die Profit und Arbeitsleistung als einzige erstrebenswerte Ziele definiert oder in einer, die das große Ganze im Blick behält und dafür sorgt, dass ALLE Mitglieder darin ein lebenswertes Leben führen? Für mich gilt definitiv letzteres und ich bin fest überzeugt: solange wir Frauen uns dabei nicht mehr einbringen und dieses Dorf aktiv mit gestalten, solange wir in unserer passiven Opferhaltung verharren und uns gegenseitig wegen Lappalien das Leben schwer machen, werden stets wirtschaftliche Interessen über menschlich-soziale siegen. Dafür ist 2017 aber einfach nicht mehr die richtige Zeit!

3. Warum ich arbeite? Weil ich unabhängig sein will!

Ein wesentlicher Faktor für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist das Schlagwort „Unabhängigkeit“. Anfang März sprach ich mit Barbara Lampl im #RealtTalk Mama! ausführlich über die Frage, warum ein Mann keine Altersvorsorge ist (hier kannst Du den kompletten Talk auf Facebook sehen). Hierbei geht es nicht darum, Lebensmodelle zu bewerten oder hierarchisch anzuordnen. Sondern es geht vor allen Dingen darum, das Ganze größer und weiter zu denken. An dieser Stelle will ich nicht der Frage nachgehen, ob eine Frau arbeiten gehen sollte, oder sich um Kinder und Haushalt kümmern (sofern sie überhaupt in der glücklichen Position zu wählen ist). Sondern ich will über das Armutsrisiko sprechen. Das droht, wenn es ums Alter und die Rentenversorgung geht. Oder im Falle, dass der Partner irgendwann kein Partner mehr ist, bzw. seiner finanziellen Verantwortung nicht oder nur noch unzureichend nachkommen kann oder will. Nach einer Trennung, wegen einer beruflichen (Teil-)Unfähigkeit oder im schlimmsten Fall durch Tod.

Die Kinder einer alleinerziehenden Frau haben ein drastisch höheres Armutsrisiko. Da wird nicht nur die Zahnspange zum finanziellen Problem, sondern vor allem auch die Bildung und die Aufrechterhaltung und Förderung der Gesundheit. Kinder, die in Armut leben, haben ein höheres Risiko für soziale Isolation, materielle Unterversorgung und gesundheitliche Beeinträchtigungen. Das gilt übrigens auch für ihre Mamas – spätestens im Alter, aber in der Regel weitaus früher, wie etwa die steigenden Zahlen für die Beantragung von Eltern-Kind-Kuren zeigen. Gesundheit kostet. Zeit und Aufwand. Und Geld! Wenn wir von Selbstbestimmung sprechen, was in der Mama-Szene ja ein sehr wichtiges Wort ist, dann müssen wir auch über Unabhängigkeit sprechen. Finanzielle Unabhängigkeit ist daher ein Thema, mit dem sich jede Mama beschäftigen sollte. Wenn die Arbeitsteilung klar ist, ist auch klar, dass das Familienmanagement durch den Erwerbstätigen finanziell entschädigt werden muss, etwa durch private Altersvorsorge, Investitionen oder ähnliches. Denn den Wert von Care-Arbeit müssen die Care-Arbeiter selbst bestimmen und vor allen Dingen lautstark einfordern. Sonst ändert sich nämlich leider nichts. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz:

Warum Dich die Feminismus-Debatte Dich doch noch weiter bringt!

Ich höre immer wieder: die Feminismus-Debatte bringt mich nicht weiter. Und ich stimme dahingehend zu, dass eine Debatte tatsächlich in erster Konsequenz nicht weiter führt, aber in letzter dennoch geführt werden muss. Diese Debatte muss aber immer die Umsetzung in die Praxis zum Ziel haben. Kurz vor Magna Maters erstem Geburtstag habe ich daher meine Content-Strategie für Dich umgestellt. Ab sofort eröffnet am 1. eines Monats ein Blogartikel das Monatsthema. Darauf aufbauend folgen am 1. Und 3. Dienstag im Monat Newsletter mit praktischen Tipps für Deine Mama-Power. Ergänzend kannst Du auf meiner Facebook-Seite am 2. Und 4. Dienstag im Monat im #RealTalk, Mama! Klartext mit ausgewählten Experten und Influencern in der Mama-Szene zum jeweiligen Monatsthema hören und sehen und vor allen Dingen: selbst mitreden! Im April geht es also um das Thema Arbeit neu denken und dabei ist es egal, ob Du Working-Mom oder Stay-at-home-Mom bist: denn Du arbeitest so oder so. Nur für die eine Arbeit bekommst Du Geld, für die andere im besten Falle Anerkennung. Was das für Dich persönlich heißt? Letztlich geht es doch darum, dass Du Dein Lebensmodell selbst wählen kannst, ohne dadurch erhebliche Nachteile zu haben. Dass Du weißt, was Du willst und das bekommst, was Du brauchst. Dass Du Deine Unabhängigkeit leben kannst, ohne die eines anderen einzuschränken oder zu verletzen. Wie Du zu innerer Klarheit über Dein ganz persönliches Lebensmodell als Mama findest und Deine Selbstwirksamkeit stärkst, um für Deine Belange auch mit Vehemenz einzustehen, sollten sie mal überhört werden, besprechen wir im Newsletter. Die Gäste für den #RealTalk, Mama! gebe ich ebenfalls dort bekannt.

In diesem Sinne: mach Dein Ding und mach es gut!

Alles Liebe,
Deine professionelle Feministin, Mama-Guerilla und kampferprobte Emanze

Isabel Falconer

 

 

 

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