Gastbeitrag: Wann ist eine Frau eine Mutter?

Ein ganz besonderer und wichtiger Gastbeitrag erscheint heute im Rahmen der Blogparade. Karin Klein beschäftigt sich mit der Frage, wann eine Frau eine Mutter ist und ob zum Muttersein zwingend eigene Kinder dazu gehören.

„„Ich mache eine Blogparade, schreib du doch auch was dazu!“.

Ich frage:“ Wie lautet der Titel nochmal?“ „Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise“.

Also sitze ich da und überlege. Ich könnte so viel aus fachlicher Sicht schreiben. Ich könnte über Entspannungsmethoden, ganzheitliche Ansätze und psychologische Hintergründe erzählen. Ich könnte darüber berichten, wie gut Prävention funktionieren kann, wenn schon in der Schwangerschaft die Bindung gefördert wird. Ich kann mich in die politische Diskussion einmischen und dafür plädieren, dass Mütter mehr Unterstützung bekommen und mehr Geld und überhaupt. Ich könnte die „3 wichtigsten Tipps“ oder die „7 erfolgreichsten Schritte“ verraten, wie du dein Leben als Mama glücklichst gestalten kannst.

Was ich aber nicht kann, ist wirklich nachzuvollziehen, wie das Leben als Mama überhaupt ist. Denn ich bin keine Mama.

Aber ich bin eine Mutter.

Und deshalb schreibe ich heute nicht über Mamas sondern über Mütter.
Und stelle die These auf, dass jede Frau irgendwie auch eine Mutter ist.

„Du kannst keine Kinder bekommen“

Ich wollte so gerne ein Baby. Aber es sollte nicht sein. Nicht mit diesem Mann. Die Partnerschaft zerbrach. Ein neuer Mann kam und ich wurde schwanger.

Dabei wusste lange nicht, ob ich überhaupt fruchtbar bin oder nicht.

Als ich 18 war, wurde bei mir Amenorrhö festgestellt – ich hatte weder Regelblutung noch Eisprung. Der Arzt sagte mir, wenn ich jemals Kinder wolle, müsse man da mit Hormonen nachhelfen. Und für die Menstruation bis dahin übrigens auch. Also bekam ich die „Diane 35“ verschrieben.

Erst mit 35 setzte ich die Pille wieder ab – und nichts passierte. Bis mich eine Kollegin mit der Hormonregulationsmassage behandelte. Durch diese Massage kam mein Zyklus in Schwung und schwingt bis heute fröhlich weiter.

Nun also war ich schwanger – was mir wie ein Wunder erschien aufgrund meiner Vorgeschichte.
Und dann ging das Baby wieder. Lange bevor ich es hätte auf die Welt bringen können.

Heute bin ich damit in Frieden. Und ich weiß: ich habe einen Sohn.

Die unsichtbare Linie

Meine Freundin Liss hat keine eigenen Kinder. Sie ist Patentante und Babysitterin. Liss hat ein tolles Gespür für Kinder und hat eine großartige Fähigkeit, sich in die Kleinen hineinzuversetzen.
Sie kann unglaublich leicht mit ihnen reden und Späßchen machen und sich in ihrer Welt bewegen – sei es die rosa Prinzessinnenwelt mit Nagellackausprobierparties und Beste-Freundinnen-Armbändchen oder die Sportskanonen-Ritterburg-Formel1-Welt mit am-längsten-Trampolin-hüpfen-Wettbewerb und Sportwagen-Quartett. (Sie kennt übrigens Mädchen und Jungen in beiden Camps!)

Kids vertrauen ihr schnell und sie lassen sich von ihr auch einiges sagen.

Ich glaube, dass wenn Liss Mama geworden wäre, sie diese Leichtigkeit – zumindest in Teilen – verloren hätte. Das ist wie eine unsichtbare Linie überqueren. In dem Moment in dem die Verantwortung für ein abhängiges Menschenwesen übernommen wird, bleibt zwangsläufig ein Stück Empathie auf der Strecke.
Es ist eben zu viel verlangt, im Erziehungsalltag immer hinein zu fühlen und liebevoll zu erklären, dass das schmutzige Bonbon jetzt nicht von der Fahrbahn der Schnellstraße aufgehoben und in den Mund geschoben werden kann. Da gilt es, das Kind schnell von der Straße zu ziehen und Punkt.

Und so ist Liss eben eine andere Art Mutter. Für die Kinder und ihre Mütter. Denn die bemuttert sie auch ein stückweit. Zum Beispiel, wenn sie babysittet und die Mama sich eine Auszeit gönnen kann.

Mutter für die Mütter

Elizabeth Gilbert (Autorin von Eat, Pray, Love) beschreibt in ihrem Buch „Das Ja-Wort“, wie überall auf der Welt, in allen Zeiten und in allen Kulturen, ein bestimmter Prozentsatz der weiblichen Bevölkerung kinderlos blieb.
Diese Frauen sind Mütter für die anderen. Sie kümmern sich um die Gesellschaft. Sie sind Hebammen, Lehrerinnen, Bürgermeisterinnen und Richterinnen. Und vieles mehr.

Sie kümmern sich um die Frauen, die sich um Kinder kümmern.

Weibliche Schaffenskunst

Weiblichkeit ist Kreativität – Schaffenskunst und Fantasie. Mit jeder Geschichte, die wir erzählen, mit jedem Blumenstrauß, den wir stecken, jedem Unternehmen, das wir gründen und jedem Brief, jeder Email, jedem Buch, das wir schreiben, werden wir erneut Mutter.*

Ob eine Frau aus freien Stücken, ungewollt oder eben weil der Lauf des Lebens sich so gewendet hat, kinderlos ist, so hat doch jede von uns immer wieder „Kinder“ in die Welt gesetzt.“

 

karin_sw_rundKarin Klein ist Körpertherapeutin für die gute Bindung, denn Bindung ist der Stoff, der Alles zusammenhält. Sie unterstützt ihre Klienten, Bindung zu sich selbst und allen eigenen Anteilen zu stärken und begleitet als Bindungsanalytikerin Frauen und Paare bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft.

p.S.: Dieser Gastbeitrag ist im Rahmen der Blogparade „Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise“ erschienen. Einen weiteren Beitrag liest Du hier.

p.p.S.: Ein Interview über seelische Widerstandsfähigkeit, das ich mit Karin geführt habe, kannst Du hier hören!

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Wunderschöner und berührender Artikel – herzlichen Dank! Da werde ich mir in nächster Zeit sehr gerne auch ab und an überlegen, wo ich Mutter bin – bis jetzt, ohne ein Kind geboren zu haben.

    • Isabel Falconer

      Vielen Dank, liebe Manuela! Ich bin mir sicher, Du wirst viele Punkte entdecken! Alles Liebe, Isabel

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