Blogparade: Mein schmerzfreier Stillstart. Stillen für den Weltfrieden

Es ist mir nicht ganz leicht gefallen, diesen Artikel zu schreiben, weil es doch sehr persönlich ist. Das Thema Stillen ist mir jedoch eine Herzensangelegenheit und ich finde es wichtig, dass Mutter und Kind in dieser Zeit gut unterstützt sind. Gerne habe ich daher die Einladung von Tabea Laue angenommen, die auf mama-baby-vision.de im Rahmen einer Blogparade Tipps für eine schmerzfreie Stillbeziehung sammelt.  Bei meinem zweiten Sohn war ich froh, dass ich schon viel Wissen und Erfahrung hatte. Denn sonst wäre unsere Stillzeit nach nur 10 Wochen bereits vorbei gewesen. Warum, das möchte ich Dir heute erzählen!

Schnelle Unterstützung bei Milchstau

Wunde Brustwarzen waren bei meinen beiden Kindern kein Thema. Ich bin eher die Kandidatin für Milchstau und Entzündungen. Glücklicherweise waren meine Hebammen nach beiden Geburten rund ums Stillen sehr gut ausgebildet. Das konnte ich einschätzen, da ich mich selbst umfassend zum Thema informiert hatte. Nach der ersten Geburt plagte mich ein heftiger  Milcheinschuss, mit schmerzhaft angeschwollenem versprengtem Drüsengewebe. In den ersten Tagen tat das Anlegen weh, doch mit sorgfältiger Unterstützung meiner Hebamme war dieses Problem schnell behoben.

Mein Stresslevel allerdings ließ sich nicht so leicht beheben, sodass ich im Wochenbett erst einen Milchstau und kurze Zeit später eine fiebrige Brustentzündung bekam. Auch hier hat meine Hebamme mich sorgfältig und blitzschnell versorgt, sodass ich kurz vor knapp um einen Krankenhausaufenthalt mit Antibiotikagabe herumkam. Sicherheitshalber hatte sie mir auch eine IBCLC-Stillberaterin empfohlen, die ich dann aber doch nicht brauchte. Diese kompetente Begleitung durch meine Hebamme, die Unterstützung durch meine Familie und die vielen kostenfreien Infos, die ich online fand, haben meinem Sohn und mir eine schöne und unkomplizierte Stillbeziehung ermöglicht, die ich nach 22 Monaten sanft beendet habe.

Der heftige Milcheinschuss nach der ersten Geburt beschäftigte mich in der zweiten Schwangerschaft – ich hatte große Angst, wieder solche Schmerzen zu erfahren. Doch meine Hebammen versicherten mir, dass beim zweiten Kind sowieso alles anders kommt. Wie sehr sie damit Recht behalten sollten, konnten wir uns da noch nicht vorstellen. Der Milcheinschuss war also nicht so heftig, was auch daran lag, dass ich mich gut versorgt hatte. Ein kleiner Milchstau war auch schnell behoben und gab mir nochmals Grund für mehr Entschleunigung.

Weihnachten in der Kinderklinik

Sohn Nr. 2 wurde sechs Wochen nach der Geburt krank. Ich dachte mir zunächst nichts dabei, der Große hatte einen Infekt  eingeschleppt und hustete ebenfalls. Auch der Kinderarzt wirkte nicht besorgt. Doch der Husten wurde stärker, die Atemnot größer und mein Kind immer schlapper. Am ersten Weihnachtsfeiertag stand ich abends beim ärztlichen Notdienst und wurde direkt weiter gewunken in die Klinik. Sauerstoffzufuhr, Tropf, Röntgen – der Film lief an mir vorüber und ich begann zu funktionieren. Mein Neugeborenes hatte eine schwere Lungenentzündung, wir kamen gerade noch rechtzeitig. Gegen 1 Uhr nachts kamen wir auf Station an. Für mich stand ein Gartenstuhl aus Plastik und ein durchgelegenes Feldbett bereit, das nur in der Zeit zwischen 18:00h und 7:00h aufgestellt werden durfte. Mein Baby verbrachte seine erste Nacht im eigenen Bett und ich wurde in kurzen Abständen durch das Piepen des Monitors wach, der bei der kleinsten Bewegung Alarm schlug.

Verkabelt wie er war, musste ich für jedes Stillen eine Schwester herbei klingeln. Ich ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Damit mein Mann mich entlasten und ich frische Luft schnappen konnte, pumpte ich Milch ab – durch ein Versehen der Reinigungskraft landete diese allerdings im Müll und ich war den Tränen nahe. Für die wenigen Tropfen hatte ich über eine Stunde lang gepumpt, ich die doch sonst eher das Problem von zu viel Milch hatte. Der Stress schlug mir auf Magen und Milchdrüsen. Ich pumpte, stillte, pumpte, stillte und nahm in einer Woche mehr als vier Kilo ab. Ich hatte Angst, dass meine Milch versiegt, wegen der Feiertage war keine Stillberaterin im Haus und die Schwestern auf Station fanden das alles nicht so dramatisch. Ich schlief schlecht, konnte mich tagsüber nicht erholen und hatte meine Schwierigkeiten mit der mangelnden Privatsphäre: vor Betreten des Raumes an die Tür zu klopfen, schien im Klinikalltag nicht so wichtig.

Mehr Empathie für die Welt

Ich war (und bin!) zutiefst dankbar über die Errungenschaften der modernen Medizin, aber konnte nicht verstehen, wieso die Mutter-Kind-Einheit im (späten) Wochenbett nicht besser unterstützt wurde.  Eine Kinderärztin, die ich zur Nachbesprechung konsultierte, meinte nur lapidar, im Klinikalltag sei eben kein Platz für die Befindlichkeiten der Mutter, man könnte ja Pulvermilch füttern (sic!). Ich war fassungslos: hier ging es schließlich nicht um meine Befindlichkeiten, sondern um die Ernährung meines Kindes mit in dieser Situation so wichtigen Muttermilch. Irgendwann sahen auch die Schwestern, dass ich mit meinen Nerven am Ende war und nach 6 Tagen bekam ich endlich ein eigenes Zimmer mit richtigem Bett. Endlich durfte ich mein krankes Baby richtig kuscheln. Mein freundlicher Junge hatte glücklicherweise die ganze Station verzaubert, sodass die Schwestern über mein Löwenmama-Gefauche milde hinwegsahen.

Im Krankenhaus wurde mir klar, dass ich mit Magna Mater online gehen muss. Weil ich mir mehr Einfühlungsvermögen wünsche, gerade dort, wo es schwierig ist, z.B. im Klinikalltag. Wo es aber auch mit kleinen Gesten und ohne großen Aufwand so unglaublich viel Wirkung zeigt. Mit Magna Mater möchte ich Dich ermutigen, für die Erfüllung Deiner Bedürfnisse einzustehen. Und Dich einladen, mit mir gemeinsam diese Welt zu einem besseren Ort zu machen und für mehr Empathie und Liebe zu sorgen. Für unsere Kinder. Aber auch für uns!

Übrigens: Sanne von Meine Traumgeburt beschreibt in ihrem Beitrag zur Blogparade, warum eine perfekte Geburt noch keine Garantie für einen idealen Stillbeginn ist. Aber lies selbst!