Schaden für’s Leben? Wenn Eltern ausflippen

Wenn Eltern die Wut packt, Wenn Eltern ausrasten

Der Tag geht los, wieder mal viel zu früh, wieder mal vor dem Wecker klingeln. Kleine Kinderkörper in Deinem Bett, putzmunter klettern sie über Dich drüber, setzen sich auf Deinen Kopf, patschen ihre kleinen Händchen in Dein Gesicht. Du? Brauchst erstmal einen Kaffee, die Nacht war bescheiden und Du weißt, der Tag wird lang. Mit Lärm und Krach aus dem Schlaf gerissen zu werden? Du hast Dich mittlerweile daran gewöhnt, Dich irgendwie damit arrangiert. Aber so ein Start in den Tag kann ganz schön an den Nerven zehren.

Du hast es geschafft, warst im Bad, bist endlich angezogen – trotz Chaos, Lärm und Krach. Deine Kinder mögen es irgendwie nicht, wenn Du auch nur eine halbe Sekunde Deiner Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtest als sie. Nach allen Regeln der Kunst versuchen sie, Dich für sie zu gewinnen. Räumen Regale aus, verbreiten Chaos in Deinen Schränken, bringen alle naselang etwas Neues, was sie Dir UNBEDINGT JETZT zeigen müssen – oder sind einfach nur laut. Der Tag ist keine zwei Stunden alt und Du rechnest schon, wie lange es noch bis zur Schlafenszeit dauert. Deine Ohren klingeln und Du bist müde von Deinen wie auswendig daher gesagten Sätzen: zieh Dich bitte an. Bitte putze Deine Zähne. Räum bitte Deine Spielsachen in die Kiste. Bitte schrei nicht so! JETZ.HÖR.ENDLICH.AUF.ZU.KREISCHEN!

Du atmest durch. 20 mal. Machst Dir klar: sie sind doch noch so klein. Sie können doch auch nichts dafür. Sie meinen es nicht böse. Es sind KINDER.

Weiter geht’s. Bloß raus aus der Wohnung, sonst fällt Euch gleich noch die Decke auf den Kopf. Draußen geht’s. Ne Weile. Du bleibst geduldig, wenn Dein Kleinkind jeden einzelnen Stein vom Boden aufhebt. Oder wenn Dein Größeres lautstark Süßigkeiten vor dem Büdchen verlangt. Und dann geht’s los: das Jaulen, das Jammern, das Heulen. Du bleibst gelassen und liebevoll, obwohl Du langsam ein bisschen genervt wirst. Begibst Dich auf Augenhöhe, Du kennst die ganzen Tipps, hast die einschlägigen Ratgeber gelesen.

Schimpfen, meckern, laut werden – es muss doch auch anders gehen.

Immer wieder kannst Du Deine kleinen Racker für einen Moment zufrieden stellen. Aber irgendwie kannst Du ihnen heute doch nichts so richtig recht machen. Sie schaukeln sich gegenseitig in ihrer Nölerei hoch. Reagieren nicht auf Deine Worte. Als würden sie Dich nicht hören (tun sie nicht!). Als wollten sie Dich nicht hören (wollen sie nicht!).

Auf dem Spielplatz angekommen. Du triffst diese andere Mama. Sie strahlt immer, wenn Du sie triffst. Mit ihrem Kind klappt alles. Auch sie hat ein hartes Leben, aber sie meistert es mit Würde. Alles gut, sagt sie immer, wenn Du sie triffst. Deine Kids benehmen sich auf dem Spielplatz daneben. Sind wild, attackieren im Spiel andere Kinder. Kreischen laut. Und lassen Dir keine ruhige Minute. Ein Gespräch: kaum möglich.

Es ist Dir unangenehm, Du fühlst Dich auf komische Art vor der anderen Mama bloß gestellt. Je mehr sie aufdrehen, desto angespannter wirst Du. Und je angespannter Du wirst, desto mehr drehen sie auf. Langsam wirst Du richtig genervt, hoffst, dass Du nochmal zwei Sätze geradeaus sprechen kannst. Aber siehst irgendwann ein, dass das nicht ohne Kollateralschaden möglich ist. Dass Du die anderen Kinder vor Deinen eigenen schützen musst. Wut kommt Dir hoch, aber Du schluckst sie runter.

Dein Großes gerät in einen Konflikt mit einem anderen Kind, Du weißt gar nicht was passiert ist, aber siehst, wie Dein Kind mit voller Wucht zuschlägt. Eigentlich findest Du, die Kinder sollten Konflikte untereinander ausmachen. Aber als Du das siehst, platzt Dir der Kragen. Du packst Deine Sachen und Deine Kinder, entschuldigst Dich beschämt bei der anderen Mama und gehst wutschnaubend heim. 

Das schlechte Gewissen

Wie konntet ihr mich nur so bloßstellen? Müssten ihr denn immer so ausflippen? Könnt ihr euch nicht EINMAL benehmen? Beide heulen und wüten, Dir rutschen ein paar Dinge raus, die Du lieber nicht gesagt hättest … zu Hause schaffst Du es irgendwie, für ein paar Minuten räumliche Distanz herzustellen. Die Kids sind eingeschüchtert, spielen ruhig. So langsam kommst Du wieder zur Besinnung, Dein schlechtes Gewissen setzt ein und Du fühlst Dich wie eine richtig miese Mutter.

Kinder anzuschreien sei so schlimm, wie sie zu schlagen, hast Du mal gelesen. Du fühlst Dich elend, weißt gar nicht, was Du sagen sollst. Umsorgst Deine Kinder besonders, sagst ihnen, wie lieb Du sie hast. Der Abend verläuft ganz harmonisch und entspannt, wäre da nicht diese innere Stimme, die Dich zernagt. Die Selbstzweifel fressen sich ein und Du hast richtig echten Herzschmerz.

Abends, wenn die Kinder schlafen, beichtest Du Deinem Mann Euren Streit. Nicht alles, Du milderst ab. Falls Du Dich überhaupt traust, darüber zu reden. Im Bett kannst Du nicht einschlafen. Du weißt genau, wie es damals war, angeschrieen zu werden. Von diesen großen, übermächtigen Eltern. Die Dich so verletzen konnten, und Du hast gar nicht verstanden, warum. Hast Dich ungerecht behandelt gefühlt und musstest Deine Trauer, Deine Wut und Deine Scham ganz mit Dir allein ausmachen. Du gehst zum Bett von Deinen Kindern. Sie schlafen so selig und süß, diese kleinen Racker. ‚Entschuldigung’ sagst Du unter Tränen, streichelst ihre Köpfchen, küsst ihre Stirn. 

Schläfst irgendwann ein und nimmst Dir fest vor: nie wieder! Wie oft hast Du das schon gemacht?

Mach Dich nicht fertig! Ja, es kann für Kinder sehr erschreckend sein, wenn sie angeschrieen werden. Auf der anderen Seite bist Du auch nur ein Mensch. Ja, Du hast einen Verstand und SOLLTEST es besser wissen. Aber manchmal springt eben Dein Reptiliengehirn an – und Du siehst rot. Mach Dich jetzt im Nachgang nicht dafür fertig, was für eine schlechte Mutter Du doch bist, was Du Deinen Kindern angetan hast und ob sie jetzt einen Schaden für’s Leben tragen. Auf diese Gedanken folgend solltest Du umgehend schauen, was Deine Wut Dir sagen will.

Wo kommst Du gerade in Deinem Leben zu kurz, was brauchst Du gerade, um wieder in Deine innere Mitte zu kommen? Wonach sehnst Du Dich? Was wünschst Du Dir für Dein Leben?

Und dann setze alles daran, Deine Wut aufzulösen und kritischen Momenten vorzubeugen. Organisiere Deinen Alltag geschickt, sei vorausschauend und feinfühlig für die Stimmungen Deiner Kinder und vor allem auch Deine eigenen (ich sag nur: Dein Zyklus!) und behandle Dich und sie liebevoll und fürsorglich. Kuschelt was das Zeug hält, geht viel raus an die frische Luft, an Orte, die Euch allen gefallen und die Euch entspannen und macht Euch einfach ne schöne Zeit. Denn diese ist nur kurz und sie geht allzu schnell vorbei!

Ach und noch ein Tipp: wenn Du geräuschempfindlich bist, pack Dir Oropax rein! Es dämpft, Du hörst trotzdem alles, aber es geht nicht mehr durch Mark und Bein.

Von Herzen,

 

 

 

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