Mamas Schuldgefühle

Mutti ist die Bestie. Ja, Bestie. Nicht Beste! Der Titel im Bibliotheksregal fiel mir sofort auf. Es war ein vorgemerktes, ich konnte das Buch also nicht direkt mitnehmen – kinderfrei unterwegs hatte ich aber genug Ruhe, wenigstens die Einleitung zu lesen.

Wenn ich schreibe, bereite ich es tage-, manchmal wochenlang gedanklich vor, spüre rein, schreibe auf, beobachte meinen Newsfeed. Und wenn sich dabei ein Thema wieder- und wiederholt, weiß ich, das ist die richtige Spur.

Die Mutter ist schuld!

Der Arbeitstitel für diesen Text war „Mama ist schuld!“. Passenderweise fiel mir „zufällig“ eine Pressemitteilung in die Hände, die Juna Im Netz sehr schön in ihre Einzelteile zerlegt hat. Die Mütter sind schuld. Und die Smartphones. Aber am allermeisten die Mütter. 

Die heimliche Diktatur vieler Mütter – so der Untertitel des vom Arzt und Psychoanalytiker Torsten Milsch verfassten und oben erwähnten Buche. Er beschreibt darin das „Mutti-Syndrom“ und den dahinter steckenden Machtmissbrauch.

Und wenn wir ehrlich sind, so unter uns zwei: wir Mütter haben einen riesigen Einfluss auf unsere Kinder – ob wir’s wollen, oder nicht! Und so manche Mutter übt einen schlechten Einfluss auf ihr Kind aus. Das kommt in den besten Familien vor. Aus welchen Gründen auch immer… Mama kann die Beste für ihre Kinder sein. Aber eben auch eine „Bestie“.

Ein Finger zeigt auf den anderen, drei zeigen zurück, also an die eigene Nase fassen! Jede Mama kennt das Schuldgefühl. Das gebrochene Mama-Herz. Bei einer sitzt es tiefer, als bei der anderen. Aber jede von uns hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Und wir alle sollten uns das immer mal wieder bewusst machen, mal ein paar Meilen in den Mokkassins der anderen  laufen, bevor wir über sie urteilen. 

Augen_Zu (2 von 3)

Wer über andere urteilt, urteilt am härtesten über sich selbst. Und wer mit sich hart ins Gericht geht, fühlt sich schlecht. Weil er seine eigenen Ansprüche nicht erfüllen kann. Niemals gut genug ist. Der fühlt sich schlecht, weil er dieses und jenes wieder nicht geschafft hat. Oder umgekehrt dieses und jenes wieder nicht gelassen hat. Wieder nicht den ganzen Tag liebevoll-geduldig mit den Kindern war. Schon wieder abends auf der Couch die Tafel Schokolade verdrückt hat. Oder das Glas Wein zu viel getrunken. Auf dem Fuß folgt das schlechte Gewissen. Die Schuldgefühle. Und damit untrennbar verknüpft: die Scham.  

Das Leben ändern und das Ändern leben!

Ich hab mich übrigens auch schlecht gefühlt. Weil ich etwas nicht geschafft habe: nämlich die Veröffentlichung des monatlichen Blogartikels wie angekündigt am 1. des Monats einzuhalten. Ich wollte unbedingt vorher die Texte für mein Portfolio überarbeiten und die tollen neuen Bilder einbauen, die Johanna Passon von mir gemacht hat. Gut – wegen so einer Sache fühle ich mich nicht schuldig und schäme mich nicht mehr. Wohl aber, wenn ich meine Söhne genervt anmeckere, weil ich mit dem Kopf gerade ganz woanders bin. Wenn mich jetzt eine meiner Kundinnen sehen würde, denke ich mir dann. Und merke: die wäre vermutlich ziemlich erleichtert. Erleichtert darüber, zu sehen, dass das Leben so nun mal ist. Dass nicht alle Tage richtig super Tage sind, an denen man seine Stimmung voll im Griff hat, sie steuern kann, geduldig und liebevoll mit den Liebsten umgeht. Dass das jedem so geht.

Und dass es gut tut, mit den Dingen, die man nicht ändern kann, gelassener umzugehen. Die Dinge, die man ändern kann, zu ändern, statt darüber zu lamentieren. Und so reflektiert und weitsichtig zu sein, dass man das eine vom anderen unterscheiden kann. Eigentlich ist es also ganz einfach. Warum ist es dann so schwer, das Leben zu ändern und das Ändern zu leben? Warum fällst Du immer wieder zurück in alte Muster, mit denen Du Dir selbst im Wege stehst? Mit denen Du Deinen Erfolg, Deine Lebensfreude und Dein persönliches Glück blockierst, sabotierst und Deine eigenen Pläne durchkreuzt. Womit Du dann Dein negatives Selbstbild wieder bestätigen kannst?!

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Ach man, wieder nicht an die eigenen Vorsätze gehalten. Wieder nicht beim Yoga gewesen. Wieder das iPad als Babysitter genutzt. Wieder Junkfood gegessen. Wieder keine Date-Night mit dem Partner. Wieder die Kinder angeschnauzt. Wieder DiesDasJenes gemacht. Wieder DiesDasJenes nicht gemacht.

Hier kommt die schlechteste Mama der Welt

Einzig logische Schlussfolgerung: Du bist ein schlechter Mensch. Und eine noch schlechtere Mutter. Katastrophal. Die schlechteste Mama der Welt. Erst fühlst Du Dich schuldig, dann schämst Du Dich. Vor den anderen, die Deine Leichen im Keller nicht sehen sollen. Aber am allermeisten vor Dir selbst. Kannst Dir im Spiegel nicht mehr in die Augen gucken. Und wenn die Nachbarin (Freundin, Schwiegermutter, Kita-Mami) nur wüsste.

Kreisende Scham- und Schuldgefühle sind so ungefähr das hinderlichste, was Du Dir selbst in Deinem Leben antun kannst. Sie sind toxisch und bringen Dich in eine Lähmung, in eine Schockstarre, die verhindert, dass Du konstruktive Lösungen findest. Aktiv etwas dafür tust, damit Du Dich besser fühlst. Deine Ziele erreichst. In Deiner Kraft lebst, ganz Deinem Wesen entsprechend. Dass Du Dein Leben an den entsprechenden Stellen änderst und konsequent und stetig Dein Ändern auch lebst. Dass Du aufhörst, Dich zu beschweren und zu jammern und Dir die Frage stellst: Welche kleinen wirkungsmächtigen Schritt kannst Du jetzt dafür tun, dass Du Dich besser fühlst, dass Dein Leben leichter wird und Du ins Reine mit Dir kommst? Dein schlechtes Gefühl (der Scham oder Schuld) kann Dir dafür den Anstoß geben. Wenn Du es danach liebevoll verabschiedest!

Johanna Passon

Johanna Passon

Manchmal ist es keine Handlung, die Du unternehmen kannst. Manchmal ist es lediglich, Deine Haltung zu überprüfen und die Dinge einfach gelassener zu sehen. Manchmal geht es um Deine Disziplin, Deine guten Vorhaben auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Dich an Deine eigenen Worte auch zu halten. Oder eben zu entscheiden, dass Du Dich daran jetzt nicht halten willst. Aus welchen Gründen auch immer. Aber es ist und bleibt dann Deine Entscheidung, die Du selbstbestimmt getroffen hast. Damit bist Du dann nicht mehr Opfer der Umstände, sondern gestaltest selbst. Du entscheidest. Bist souverän.

Scham- und Schuld – das kennt doch jeder von uns. Und wie so oft: der Ursprung dafür liegt in der eigenen Biografie. In den Mustern und Strukturen, in die Du hineingeboren wurdest. Die Dir von Kindesbeinen an auferlegt wurden. Und in den Erfahrungen, die Du in Deinem Leben nun mal gemacht hast. Die Dich prägen – so wie Du eben bist.

Don’t blame the mother

Als Mama von heute bist Du echter Profi, was den Umgang mit Deinem Kind anbetrifft. Du weißt, was ihm gut tut und was ihm schadet, was es zum aufwachsen braucht, damit aus ihm ein starker, gesunder und widerstandsfähiger Erwachsener wird. Du weißt sehr genau, was dieser und jener Umgang mit den Kleinen langfristig anrichten kann. Und hast vermutlich häufiger mal Angst, ihm Schaden für’s Leben zuzufügen. Schuldgefühle, weil Du wieder nicht genug warst. Schämst sich, dass du’s nicht besser hinbekommst. Und das macht Dir Dein Leben schwer.

Mama kann die Beste sein. Aber eben auch eine Bestie. Diese hellen und dunklen Seiten tragen wir alle in uns. Manchen ist das klar und sie haben diese zwei Seiten präsent. Andere kämpfen gegen die dunklen Seiten an. Verleugnen sie. Unterdrücken und verstecken sie, damit kein anderer diese dunkle Seite sieht. Und gehen mit sich hart ins Gericht wegen der Schattenseiten. Welcher Typ bist Du?

Ja, manchmal sind ist es die Mütter schuld, wenn es den Kindern schlecht geht. Wenn sie sich nicht wohl fühlen in der Familie, in ihrem Alltag. Wenn sie Auffälligkeiten im Verhalten oder den Emotionen zeigen. Es ist gut, das zu erkennen und anzuerkennen. Als Mama hast Du einen großen Einfluss auf die Familie. Happy wife, happy life! Fühlst Du Dich schlecht und unwohl in Deiner Haut, dann wird das Einfluss auf das Wohlbefinden der anderen Familienmitglieder haben. Auf die ein oder andere Art und Weise. Weil Du destruktive Schwingungen in die Familie mitbringst. Nicht ganz da bist. Genervt wirst. Oder einfach nicht in Deiner Mitte bist. So ist das halt. Das Problem an der Sache: das Wissen um die negativen Auswirkungen von mütterlichem Stress auf das Kind … verstärkt den Stress meistens! Denn dann fühlst Du Dich nur noch schlechter. Deswegen das Credo: don’t blame the mother. Du gibst Dein Bestes. Tag für Tag. Auch wenn das manchmal nicht besonders viel ist.

Johanna Passon

Johanna Passon

Wie kannst Du aufhören, so hart zu urteilen?

Was kannst Du also tun, um Dich souveräner, selbstsicherer und glücklicher zu fühlen? Um geduldiger und entspannter mit Deinem Kind umzugehen? Um Dich wie eine richtig gute Mama zu fühlen? Wie kannst Du aufhören, mit Dir selbst (und mit anderen) so hart ins Gericht zu gehen?

Schaue hin auf die Themen, die sich Dir wieder und wieder präsentieren. Entwickle eine buddhistische Grundhaltung. Mache es Dir zur Gewohnheit, in Dich reinzuspüren. Innezuhalten und einen Schritt zurück zu treten, bevor Du re-agierst. Verabschiede Dich von den Zweifeln und triff Deine Entscheidungen schneller. Meditiere regelmäßig und ernähre Dich gesund. Löse Deine Schuldgefühle an der Wurzel auf. Und erinnere Dich immer wieder daran, ins Hier und Jetzt zurück zu kommen. Nicht in der Vergangenheit zu verhaften. Und Dir keine Sorgen um die Zukunft zu machen. Heile Deine verletzte Weiblichkeit. Und verbinde Dich wieder. Mit der Schöpfung, die in Dir steckt, mit Deiner inneren Mitte und werde wieder ganz. Und vor allem: nimm Dich selbst so an, wie Du bist und befreie Dein Wesen von den Mauern, die verhindern, dass Du ganz Du selbst sein kannst.

Wenn Du Dich schlecht und unwohl fühlst in Deiner Haut, ist das eine Einladung, den Ursachen dafür auf den Grund zu gehen. Und die passenden Änderungen in Deinem Leben vorzunehmen. Der Schlüssel dazu ist die Selbstliebe!

Der Prozess, die Transformation, die Metamorphose ist nicht immer angenehm. Manchmal schmerzhaft. So, wie der Phönix sich erst verbrennen muss, um aus der Asche wieder aufzuerstehen. Die Raupe sich in einen engen Kokon verpuppt, bevor sie ein bunter Schmetterling wird. Aber danach breiten beide ihre Flügel aus und fliegen los. Dein größter Schmerz ist Dein größter Schatz! Und jedes Thema wird so lange im neuen Gewand zurück kommen, bis Du seine Botschaft verstanden und seine Ursachen aufgelöst hast!

Von Herzen alles Liebe und take care,
Isabel Falconer

 

 

 

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