Mama ausgebrannt? Da ist Licht am Ende des Tunnels!

Mit diesem Beitrag schließe ich die Blogparade „Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise“ ab und bedanke mich bei sage und schreibe 27 mutigen und ehrlichen Frauen, die offen über eigene Erfahrungen erzählt und Betroffenen neue Wege aufgezeigt haben. Ich danke auch den Lesern und Followern auf Facebook – die letzten sechs Wochen standen ganz im Zeichen dieser Blogparade und ich weiß, die Schwere des Themas war nicht immer leicht zu ertragen. Auch für mich – denn ich wurde noch einmal konfrontiert mit meiner eigenen Geschichte.

Mama ausgebrannt – von diesem  Thema bin ich doppelt betroffen. Denn zum einen habe und hatte ich beruflich häufiger Kontakt mit Frauen, die aus verschiedenen Gründen große Schwierigkeiten mit ihrer Mutterrolle hatten. Zum anderen litt ich vor einigen Jahren an einer schweren Erschöpfungsdepression, die mich völlig lahmlegte. Ich kenne die Existenzängste, die Sorge, dem eigenen Kind zu schaden, den Weltschmerz und die Orientierungslosigkeit in dieser dunklen Phase.

Wie es dazu gekommen ist?

Ich halte es möglichst kurz:

Es ging alles in der Schwangerschaft los, als ich versuchte, meinen Studienabschluss, zwei Jobs und die Vorbereitung auf das Leben mit Kind unter einen Hut zu bekommen. Und weil ich mit Abstand die erste Mama im Freundeskreis war, fehlte mir das Vorbild erfahrener Mütter und deren Rückhalt. Während meine Freunde munter weiter feierten, saß ich plötzlich alleine mit Baby daheim und wusste nicht wirklich etwas mit uns beiden anzufangen. Ich plagte mich mit Existenzängsten – eine junge Hochschulabsolventin mit Baby würde doch sicher niemand einstellen. Das wollte ich allerdings auch gar nicht, denn für mich war schon immer klar, dass ich mein eigener Chef sein würde. Also aus der Uni raus die Selbstständigkeit aufgebaut. Dabei bin ich einigen Mütter-Dogmen auf den Leim gegangen, was Stillen, Tragen, Schlafen, Bindung und „Fremd“Betreuung von Babys und Kleinkindern anbetrifft.

Das schlechte Gewissen war also mein ständiger Begleiter – obwohl ich alles gab, war ich nie genug. Weder im Job, noch in der Familie. Mein Weltbild (insbesondere was weibliche Emanzipation anbetrifft) geriet gehörig ins Wanken, als ich mich intensiv mit der vorherrschenden Geburtskultur, dem gesellschaftlichen Mütterbild und der (frühkindlichen) Bildungslandschaft auseinandersetzte. Zusammengefasst, habe ich mich auf allen Ebene völlig überfordert: körperlich, geistig und emotional. Rückblickend betrachtet wundere ich mich, dass es bis zu meinem Nervenzusammenbruch so lange gedauert hat, dass gar nichts mehr ging und ich alle Zelte abbrechen musste: Die Weiterbildung, mein noch recht junges Unternehmen, meine verschiedenen Honoratätigkeiten als Trainerin und Dozentin.

Das schmerzte heftig und auch wenn ich durch die Hölle gegangen bin – so war es das beste, was mir in dieser Zeit hätte passieren können. Ich bin gestärkt und selbstbewusst daraus hervorgegangen und achte heute penibel darauf, dass Körper, Geist und Seele miteinander im Einklang sind und die Familie an allererster Stelle steht. Und ich darf andere Menschen dabei begleiten, im Einklang zu leben – mit sich und mit anderen.

Was mir geholfen hat?

1. Ein wirklich kompetenter Hausarzt, der nach einem ausführlichen Check eine hochdosierte Vitaminkur verordnete: innerhalb weniger Tage kam ich aus meinem körperlichen Loch und hatte wieder Kraft, besser für mich zu sorgen. Ich konnte mich wieder draußen bewegen, hatte wieder Appetit und mein Denken setzte wieder ein.

2. Hilfe organisieren und annehmen: eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe, eine liebevolle und geduldige Körpertherapeutin, die Unterstützung meiner Familie und echten Freunde.

3. Ruhe! Wenn ich nicht schlief, meditierte ich und wenn ich nicht meditierte, schlief ich.

4. Die Zeit mit meinem Kind genießen. Wir machten schöne Sachen, auf die wir beide Lust hatten. Malen, lesen, backen, spazieren, töpfern, Tiere besuchen, Naturerfahrungen. Dadurch konnten wir uns noch besser kennen lernen. Und ich meine Unsicherheit ablegen, eine schlechte (weil gestresste) Mama zu sein. In dieser Zeit habe ich mich auch frei gemacht von den „Wenn Du dies, das und jenes mit Deinem Kind (nicht) machst, schadest Du ihm für’s Leben“-Aussagen, die eben so durch’s Netz und die Ratgeber-Literatur schwirren.

5. Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen. So merkte ich, was ich fühle, erleben auch andere – ich war nicht allein. Und konnte mich langsam aber sicher von meiner Angst vor Stigmatisierung befreien. Denn psychische Erkrankungen (insbesondere bei Müttern) sind doch immer noch auch makelbehaftet – dabei käme keiner auf die Idee, jemanden wegen eines Knochenbruchs zu stigmatisieren. Daher war es mir auch so wichtig, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.

6. Meiner Spiritualität in meinem Leben einen festen Platz einzuräumen. Ohne wallende Gewänder und nackte Vollmond-Feuertänze. Sondern geerdet, bodenständig, pragmatisch – alltagstauglich.

7. In den Erfahrungsberichten, die ich von Menschen mit Depressionen las, tauchten immer wieder Bilder und Analogien auf: schwarze Hunde, die einen stellen oder Kraken, die ihre Tentakel eng um den Körper des Betroffenen schlingen. Auch ich bekam ein Bild, wie ich kleiner Mensch vor einem riesigen Feuerdrachen stand und ihn mit meiner Lanze immer wieder pikste. Der Drachen spuckte Feuer zur Verteidigung – nicht, weil er mich bedrohen wollte. Also führten wir ein ausführliches und ernstes Gespräch und ich merkte, dass es darum ging, ihn zu zähmen, statt ihn zu bekämpfen.

8. Ich konzentrierte mich auf das Licht am Ende des Tunnels. Ja, im Tunnel war es oft so dunkel, dass ich nichts  sehen konnte. Aber dann fand ich stets jemanden, der mich ein Stück meines Weges begleitete und mir mit der Taschenlampe leuchtete. Eine gute Freundin. Meine Therapeutin. Der Psychiater in der Notfallambulanz. Die nette Dame in der Beratungsstelle. Engagierte Blogger. Der Autor eines hilfreichen Buches. Mein Mann, meine Eltern, meine Schwester. Mein Sohn. Und:

9. Mein Bauchgefühl. Denn das sagte mir schon viele Monate, dass da noch Platz für ein Geschwisterchen ist. Nur ich erlaubte es mir nicht. Wegen der vielen Arbeit, meiner zeit- und geldintensiven Fortbildung, den schwierigen Arbeitszeiten meines Mannes und und und. Meine geschätzte Kollegin Britt Bürgel sagte mal: „Wünsche kommen in Verkleidung. Hinter jedem Symptom kann einer versteckt sein.“ Und letztlich hat mir diese Krise auf sehr unsanfte Weise dabei geholfen, meinen innigen Wunsch dann auch Realität werden zu lassen.

Meine Lernerfahrungen für Dich:

1. Einfach machen. Im doppelten Wortsinne: einfach mal machen und es Dir einfach machen. Ja, der Verstand sollte dabei eingeschaltet sein. Aber nicht Überhand nehmen (s. Punkt 6). Denn es hat niemand etwas davon, wenn Deine geniale Idee bloß Wunschdenken bleibt.

2. Schluss mit Perfektionismus: Denn gut ist gut genug – sei gnädig mit Dir!

3. Gefühle sind „nur“ Gefühle. Auch wenn sie lebensbedrohlich erscheinen können – es gibt einen Weg da raus. Und zwar auf dieser Seite des Jordans.

4. Ein gutes Netzwerk ist Goldwert. Familie, Freunde, Therapeut, Coach, Beratungsstelle – irgendwo da draußen ist jemand, der Dir mit offenem und ehrlichem Interesse begegnet. Der Dir wirklich helfen will, wieder auf die Beine zu kommen und das Beste aus der momentanen Situation zu holen. Es gibt auch Menschen, die Dich genau davon abhalten. Wähle weise! Das Bauchgefühl ist dabei ein guter Ratgeber.

5. Dein Körper ist der Tempel Deiner Seele. Behandle ihn gut – und zwar nach Deinen eigenen Maßstäben. Nägel lackieren, was leckeres essen, schicke Kleidung, ein motivierendes Fitnessprogramm oder ein ganzer Tag im Thermalbad? Du weißt, was Du brauchst. Folge Deinen Körperempfindungen – nicht den wohlmeinenden (aber oft unreflektierten) Ratschlägen anderer.

6. Benutze Deinen Verstand, aber achte darauf, wenn er Dir Streiche spielt und dich in Gedankenschleifen und Horrorszenarien festhält. Dann braucht er eine Beschäftigung. Den Atem beobachten zum Beispiel, niedliche Tiervideos anschauen oder eine Runde Bewegung an der frischen Luft.

7. Kleine Schritte führen zum Ziel! Krisen entstehen nicht von heute auf morgen und genauso wenig lösen sie sich mit einem Fingerschnipp in Luft auf. Wenn Du Dir zu viel vornimmt, läufst Du Gefahr, dass gar nichts mehr geht oder die Lust verschwindet. Wo liegen Deine Prioritäten? Und was kannst Du hier und jetzt tun?

Wie geht es auf Magna Mater nun weiter?

Ich habe es an verschiedenen Stellen schon angekündigt: Ich schreibe an meinem ersten Buch „Mama im Einklang“. Da stecken die besten Erkenntnisse aus meinem Privat- und Berufsleben in Bezug auf Mutterschaft drin. In den nächsten Wochen geht es also deutlich lösungsorientierter zu, denn Teile des Buchs veröffentliche ich bereits hier auf dem Blog. Und wenn Du so lange nicht warten willst: Es gibt noch zwei Plätze für meine Coachings zum selbst festgelegten Preis. Wenn die weg sind, lege ich die Preise fest.

Und noch eine Ankündigung: Karin Klein gibt @ Magna Mater ein wunderbar alltagstaugliches Webinar für mehr seelische Widerstandskraft und innere Balance. Es findet am 08.09. von 19:30 – 20:30 Uhr statt – das beste daran: es ist kostenfrei.

Eine gute Gelegenheit, die jeweiligen Stellschrauben zu drehen, um Dein Leben in die Hand zu nehmen. Du hast nur das eine – mach das Beste draus!

In diesem Sinne – von Herzen,

Unterschrift

p.S.: Dieser Beitrag schließt meine Blogparade „Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise“ ab. Einen weiteren Beitrag kannst Du hier lesen.

10 Kommentare

  1. 💓💗💓
    Wunderschön, wie deine Krise zu einem schönen WendePunkt geworden ist! (Übrigens: Punkt 6 und 9 auf dem Weg aus dem Tunnel gefallen mir am besten! ☺️)

  2. Du hast mich schon vor 3 Jahren motiviert und inspiriert : obwohl es ein Sportkurs war, hast du meinen Weg bestärkt und mir Selbstbewusstsein gegeben in Bezug auf Tragen, Stillen und auch frühe Rückkehr in den Job und bis heute denk ich an dich als Vorbild zurück, weil Du mir “ das geht, wenn man es möchte, man kann es auch ohne bindungsverlust schaffen“ vermittelt hast ( trotz Vollzeitjob hab ich 35 Monate gestillt und sehr lange getragen und eine tiefe Bindung zu meinem Sohn, der bald grosser Bruder wird). Es tut mir leid zu lesen, dass du durch eine schwere Zeit gehen musstest und ich bin froh, dass du es geschafft hast. Dein Beitrag lehrt mich, öfter mal in mich zu hören, wie es mir geht, um das neben Job und Kind nicht zu vergessen! Danke!

    • Isabel Falconer

      Liebe Anja,

      wie schön von Dir zu hören – und dann auch noch mit so einer tollen Rückmeldung: Danke Dir! Natürlich erinnere ich mich an Dich und Deinen Sohnemann und freue mich sehr, sehr, sehr, dass ich dazu beitragen durfte, eine gute Mama-Kind-Bindung aufzubauen!

      Und herzlichen Glückwunsch zum Geschwisterchen – wann ist es denn so weit? Auf jeden Fall schon mal alles Gute für Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit.

      Alles Liebe für Euch – von Herzen,
      Isabel

      • Danke schön! 😊 Am 30.12. ist ET! Diesmal will ichs auch komplett mit Stoffwindeln probieren ( du hattest mir damals einen Artikel gegeben). Und vielleicht vielleicht hab ich ja das Glück einer normalen natürlichen Geburt! Drück mir die Daumen!

  3. Liebe Isabel,

    du hast gegen Drachen gekämpft und dich auf das Licht am Ende des Tunnels fokussiert, du bist mutig und wurdest belohnt. Ich finde auch, es steckt immer eine wertvolle Erfahrung und ein weiteres Stück „Puzzelteil“ über uns selbst in jeder Krise. Ich freue mich auf dein Buch. Ich schreibe auch eins😊 Genial, dass es bald soviel tolle Literatur zu diesem Thema gibt.
    Herzlichen Gruß,
    Kristina

    • Isabel Falconer

      Liebe Kristina,

      da bin ich natürlich auch gespannt, was Du da gerade ausbrütest!
      Danke für die lieben Worte.

      Alles Liebe,
      Isabel

  4. liebe isabel, liebe alle,

    ich finde das einen sehr wertvollen artikel. ich hatte vor jahren – noch bevor ich mama wurde – auch eine erschöpfungsdepression. seit ca 1,5 jahren bin ich jetzt mama und manchmal merke ich, dass ich mehrere tage hintereinander einen durchhänger habe und habe auch wenig sorge, dass ich wieder „abrutsche“.

    was mir sehr hilft ist auch zu sehen: meist macht man sich als eltern viel mehr streß als notwendig. da packe ich uns zusammen um in den zoo zu fahren, streße mich mit parkplatzsuche, dem spaziergang dahin ab, nur um dort wenig tiere zu sehen – weil eh alle davor stehen. und auch zu merken – mein kind ist noch viel zu klein um überhaupt zu realisieren, was es da alles zu sehen gibt. wenn ich mich mit ihr mit einem küberl wasser und puddingschüsserln am balkon hinsetze und herumpritschel, hat sie viel mehr spaß.
    weniger aufwand, mehr spaß, mehr zuneigung. das war eine erkenntnis für mich – kinder sind mit viel weniger zufrieden als wir glauben. hauptsache, wir sind ganz bei ihnen. 🙂
    alles liebe! sabine

    • Isabel Falconer

      Liebe Sabine,
      vielen Dank für Deine Nachricht! ja, den Stress mit den Kindern machen wir uns soft selbst – wenngleich es von außen auch genug Gelegenheiten für Stress gibt.
      Ich mag Dir beipflichten: weniger ist oft mehr und es ist wichtig bei unseren Kindern zu sein. Und füge noch hinzu: es ist genauso wichtig, gut für uns selbst als Mama zu sorgen und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen.
      Alles Liebe,
      Isabel

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