Gute Mama, schlechte Mama – wer entscheidet das eigentlich?

Gute Mutter, schlechte Mutter – wer entscheidet das eigentlich?

Was Du als Mama heutzutage nicht so alles musst, um eine „gute Mama“ zu sein: immer und sofort auf jeden Mucks vom Kind reagieren. Liebevoll und empathisch natürlich. Stillen, tragen, familienbetten. Egal, ob Dir der Rücken davon durchbricht.

Bio-dynamisch selber kochen, ökologische, modische Kleidung tragen – auch wenn das ein Vermögen und viel Zeit kostet. Gelassen und verständnisvoll auf den Trotzanfall des Kleinkindes reagieren. Auch wenn DICH niemand fragt, wie es Dir eigentlich geht. Der perfekte After-Baby-Body. Du sollst schließlich auch Deinem (potentiellen) Partner gefallen. Die Liste ließe sich ewig weiterführen.

Instagram ist nicht die Realität!

Im schicken Instagram-Zeitalter herrscht ein hohes Mutterideal. Doch die Realtität sieht anders aus. Nach einer kurzen Nacht mit vielen Unterbrechungen noch geduldig bleiben? Das ist schlichtweg nicht zu leisten. Und wenn Du die Gelegenheit hast, Dich mal in der Wohnung einer Instagrammerin umzusehen, wirst Du schnell merken: da gibt es kleine Ecken im großen Chaos, die fototauglich sind – die Unordnung und Wollmäuse sind einfach nur nicht auf dem Foto abgebildet!

Du bist erschöpft, weil Du mit einem irren Tempo Deinen Alltag meisterst. Brotdosen befüllst, die Papierberge auf Deinem Schreibtisch abarbeitest und die Kinder nach der Kita noch mal schnell umziehst, damit sie beim Kinderturnen keine Shirts mit Tomatensaucen-Flecken tragen. Pausen einlegen? Da kannst Du nur müde lächeln. Und schließt Dich kurz im Bad ein, damit Du mal einen Moment Ruhe hast. Und keiner Deine Tränen sieht. Spätestens abends kannst Du sie nicht mehr zurückhalten. Nach einem langen Tag können die Kinder nicht einschlafen. Hier noch mal Pipi, da noch einmal trinken. Noch eine Gute-Nacht-Geschichte? Die einzige, die dabei einschläft, bist Du. Wut kocht in Dir hoch und irgendwann kannst Du sie nicht mehr zurückhalten. Schimpfst mit Deinen Kindern. Und fühlst Dich im selben Moment als furchtbar schlechte Rabenmutter.

Ein Blick in Deinen Kleiderschrank: die schicken Teile von damals passen nicht mehr – Du kleidest Dich funktional und praktisch. Wirklich gut fühlst Du Dich in Deiner Haut nicht mehr. Du müsstest Dich gesünder ernähren. Aber dafür eine Dreiviertelstunde lang in der Küche stehen? Während Deine Mäuse selbige auseinander nehmen? Dann doch lieber die Tiefkühlpizza. Endlich wieder Sport mache oder ein gutes Buch lesen? Wann denn? 21:00 Uhr, endlich mal Zeit für Dich. Wenn da nicht die Wäsche wäre. Und die Küche muss auch noch aufgeräumt werden. Erschöpft sinkst Du auf die Couch. Mehr als Netflix geht nicht mehr. Du bleibst hängen und kommst – mal wieder – zu spät ins Bett. Deine sozialen Kontakte beschränken sich auf Small-Talk auf dem Spielplatz. Und ab und an ein selten gewordenes Telefonat mit Deiner liebsten Freundin. Sie versteht nicht so ganz, warum Du Dich für die Kinder so verausgabst – auch wenn sie sich redlich Mühe gibt. Aber Du weißt: das kann sie einfach nicht verstehen, sie führt das alte Leben, das Du vor den Kindern auch einmal hattest, einfach weiter. Hat beruflichen Erfolg, tolle Liebhaber, geht zum Yoga und auf Reisen. Ihr liebt Euch gegenseitig von ganzem Herzen. Aber Euch trennen Welten.

Du bist eine tolle Mama!

Du bist keine schlechte Mutter! Nicht, weil Du regelmäßig an Deine Grenzen kommst. Nicht, weil Du den täglichen Workload kaum bewältigen kannst. Nicht, weil Du abends keine Lust mehr auf Sex hast. Und auch nicht, weil Du Dich gegenüber Deinen Kindern manchmal im Ton vergreifst. Wäsche kann liegen bleiben – sie wartet geduldig und vielleicht gibt es eine liebe Person in Deinem Umfeld, die Dich dabei gerne unterstützen mag. Notfalls gegen Bezahlung. Und Gelassenheit kann man lernen.

Du bist keine schlechte Mutter, im Gegenteil: Du bist eine tolle Mutter! Sorgst Dich um Deine Kinder, bist achtsam, liebevoll und gibst Tag für Tag Dein Bestes! Wenn Du Deine Kinder fragst, dann werden sie Dir sagen: Du bist die allertollste Mama, die es auf der ganzen Welt gibt. Alles, was Du brauchst, ist eine Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung, dass Du eine gute Mutter bist. Mit Tiefkühlpizza, Wäschebergen, Staub im Regal und all den negativen Emotionen, die Dich zu dem machen, was Du bist: Eben auch nur ein Mensch!

Führe Dir immer wieder vor Augen, was Du GUT gemacht hast. Notiere Dir dafür jeden Abend mindestens drei Dinge, die gut gelaufen sind. Damit Du mal siehst, was Du alles gut machst und den Fokus verlagerst weg von dem, was alles nicht so gut gelaufen ist hinzu dem, was Du eigentlich den lieben langen Tag so alles leistest.

Ja, es läuft nicht immer alles rund. Deinen Perfektionsanspruch zu senken, braucht ein bisschen Zeit und ja: auch ein wenig Disziplin. Aber es lohnt sich. Und zwar hundertfach! Damit Du Dir selbst zugestehen kannst, was für eine tolle Mama Du wirklich bist. Die tollste für Deine Kinder – auch wenn Du mal schimpfst. Du bist gut genug! Mehr als genug! Für Deine Kinder bist Du alles. Und indem Du ihnen das mit Deiner inneren Haltung vorlebst, lehrst Du ihnen die wichtigste Lektion im Leben: ein starkes Selbstwertgefühl. Wer entscheidet, ob Du eine gute Mutter bist? Einzig und allein Du selbst.

Mama-Mantra: Du bist gut genug!

Du bist gut genug. Mit all Deinen Ecken und Kanten, die Dich zu dem Menschen machen, der Du bist. Einzigartig. Wunderbar. Auch wenn Du mal nicht so gelassen bist, wie Du es gerne wärest. Gelassenheit kannst Du üben, zum Beispiel in einer Gruppe von Gleichgesinnten, die Dich verstehen. Gelassenheit ist wie ein Muskel, je mehr Du sie trainierst, desto stärker wird sie. Und das beste: das geht immer und überall und Du brauchst auch keine schicke Sportkleidung dafür. Eine liebe Freundin oder ein professioneller Berater als Trainingspartner unterstützt und motiviert Dich, auch wenn es mal anstrengend und unbequem wird. Ein Mantra, das Du Dir an Deinen Kühlschrank hängen kannst: Du bist wichtig! Du bist gut genug!

Von Herzen alles Liebe,
Isabel Falconer

 

 

Im Newsletter üben wir gemeinsam Gelassenheit als Mama. Dieser erscheint 14-tägig am 1. & 3. Dienstag im Monat, ist selbstverständlich kostenfrei, kommt ohne Spam und hütet Deine Daten wie einen Augapfel!