Der Mutterkörper – ein Politikum

Als Frau, als Mutter wirst Du permanent mit dem weiblichen Körper generell und Deinem eigenen Körper im Speziellen konfrontiert. Unser Bild des (Frauen-)Körpers ist krude, denn einerseits wird der Mensch oft auf seine körperliche Erscheinung reduziert. Und andererseits wird der Körper oft unachtsam, wenig wertschätzend bis respektlos behandelt oder gar malträtiert. Im Bereich der Mutterschaft nimmt das meiner Meinung nach verheerende Ausmaße an.

Der weibliche Körper ist in der Gesellschaft omnipräsent und soll viele Ansprüche erfüllen, bzw. ihnen genügen. Der männliche zwar auch, nur um diesen geht’s an dieser Stelle eben nicht. Das geht los auf der privaten Feier, bei der Paare ab einem bestimmten Alter auf einmal damit konfrontiert werden, dass zum persönlichen Glück doch nur noch Kinder fehlten. Aber hey: Die Entscheidung, Kinder zu bekommen, ist eine ganz private und es ist eines jeden gutes Recht, sich dagegen zu entscheiden. In der Regel basiert diese Entscheidung auf ziemlich schlüssigen Argumenten. Und selbst wenn nicht: Das geht nur die Frau bzw. das Paar etwas an. Leben und leben lassen!

Oder noch vertrakter: vielleicht hat das Paar einen unerfüllten Kinderwunsch und die Frage, wann es denn endlich soweit sei, streut Salz in offene Wunden. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gelungen, sagte mein Religionslehrer damals. Und auch wenn ich nicht ganz so weit gehen würde: Verstand gebrauchen, Mitgefühl und Einfühlungsvermögen entwickeln und sich der Tragweite der eigenen Äußerungen bewusst werden, halte ich schon mal für einen richtig guten Anfang für ein liebevolles und friedliches Miteinander.

Enteignung des Mutterkörpers

Ist eine Frau dann schwanger geht’s weiter mit ungebetenen, wohlmeinenden Rat-Schlägen und der Enteignung des Mutter-Körpers: Die Frau wird zu Freiwild und muss mitunter ungefragt Bauchtatscher oder sogar richtig blöde Sprüche über sich ergehen lassen. Oder auch Angst und Panikmache, die gerne mit dem erhobenen medizinischen Zeigefinger begründet werden. Unterscheide hier: tatsächliche medizinische Indikationen, die eine Intervention notwendig machen.

Nächster Halt: Geburtshilfe. Hier wird oftmals über die Köpfe und die Gefühle der Beteiligten hinweg entschieden, also Mutter, Vater, Kind. Es werden Maßnahmen ergriffen, die in Klinikabläufe, Finanzpläne und Arbeitszeiten reinpassen (müssen) und oftmals dem Wohl von Mutter und Kind diametral entgegen stehen. Nochmal: davon unberührt natürlich sämtliche Maßnahmen, die das Wohl von Mutter und Kind tatsächlich schützen und erhalten. Und auch dem Klinikpersonal kann man kaum einen Vorwurf machen, sie arbeiten unter wirklich schwierigen strukturellen und politischen Rahmenbedingungen und oft über die emotionalen, mentalen und physischen Belastungsgrenzen hinweg. Nur: eine Frau unter der Geburt ist keine Maschine, sondern eine Mutter, die Leben schenkt. (Von Kuhmüttern, Schweinemüttern, Hühnermüttern fange ich an dieser Stelle besser nicht an).

Sind Mutter und Kind dann einigermaßen wohlbehalten gelandet, wissen es immer noch alle anderen besser. Stillen ja oder nein, aber mindestens bzw. höchstens so und so lange. Das schreiende Baby hat auf jeden Fall Bauchweh (Hunger, Schlafmangel – einfach das passende einsetzen). Und Mutter – wie sieht’s denn überhaupt in Deinem Heim aus? Das bisschen Haushalt, kann so schwer nicht sein, sagt … Ja wer denn eigentlich? Zum Beispiel die Tatsache, dass es frischgebackenen Müttern wirklich schwer gemacht wird, bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe zu beantragen. In Zeiten von Über-Individualisierung, zunehmender Bindungslosigkeit und mitunter großen räumlichen Distanzen zur Herkunftsfamilie bzw. fehlenden Kapazitäten dieser nur schwer zu verstehen.

„Re-sex your life“

Und dann dieses leidige Thema After-Baby-Body (was irgendwie auch ein echt unsägliches Wort ist). Ich erinnere mich gut an Catherine, Herzogin von Cambridge, kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes. Und wie sich alle Welt wunderte, wieso denn da noch ein Bäuchlein zu sehen sei. Da fragt man sich doch, wie es die Menschheit überhaupt bis hierher geschafft hat!? Nach der zweiten Geburt hatte sie sich wohlweislich ein neues Kleid schneidern lassen, das ihren Körper geschickter kaschierte. Noch im Wochenbett hackte die Klatschpresse auf ihr herum und unterstellte ihr Essstörungen – sie sei so besonders schlank geworden.

Die Klatschpresse – ein gutes Stichwort! Überall schlagen uns Bilder um die Ohren, wie denn ein „richtiger“ Frauenkörper auszusehen habe. Rank und schlank und durchtrainiert nämlich. Das gilt hierzulande als Synonym für gesund. Das wollen uns zumindest Werbung, Industrie und (Boulevard-)Medien weiß machen. Und auch die Fitnessbranche hat den Trend längst erkannt. Jüngst wurde ich auf einen Kursanbieter aufmerksam, der frischgebackene Mamas mit dem Slogan „re-sex your life“ lockte. Und wie mir ein Vögelein zwitscherte, wurde das Thema Beckenboden in zehn (!) Kursstunden kein Einziges Mal angesprochen. Der aber doch der Hauptfaktor für ein gelungenes Sex-Leben nach der Geburt ist (und nach wie vor oft ein Schattendasein fristet. Inkontinenz und Libidoverlust sind eben keine besonders salonfähigen Themen).

Aber genug gemotzt. Im zweiten Teil zeige ich Dir Wege und Möglichkeiten, Deine Selbstwirksamkeit zu erkennen und in die Eigenverantwortlichkeit zu kommen. Falls Du bis dahin nicht warten kannst, lass uns doch auf einen Kaffe treffen und uns kennenlernen. Hier kannst Du Dein kostenfreies Soul-Date mit mir vereinbaren. Außerdem bin ich gespannt auf Deine Erfahrungen, die Du mit Deinem Mutterkörper bisher so gemacht hast. Schreib sie gerne unten in die Kommentare oder einfach per Mail an mich. Ich freue mich, von Dir zu hören!
Herzensgrüße

Unterschrift

p.S.: Das wundervolle Titelbild hat übrigens Esther Mauersberger von Geburtsfotografie gemacht. Von mir, in meiner zweiten Schwangerschaft 🙂