Gastbeitrag: Babyblues oder doch Wochenbettdepression

Wochenbettdepression oder babyblues

Babyblues oder doch Wochenbettdepression? Um das Thema geht es in diesem Gastbeitrag. Was ist, wenn man nicht die glückliche Mama ist, die überall suggeriert wird?

Gerne wird uns ein Bild der glücklichen Mama aufgezeigt. Das Baby ist da, man ist super happy, sieht perfekt aus und schafft alles. Dazu liebt man sein Kind ohne Ende.

Was aber, wenn man todunglücklich ist?

Meine erste Schwangerschaft war lange herbeigesehnt. 2.5 Jahre haben wir für den Kinderwunsch gebraucht. Dann erfüllte er sich endlich.

In der Schwangerschaft habe ich viel Kontakt zu meinem Kind gehabt, es fiel mir leicht, auf Lebensmittel und Getränke zu verzichten. Ich fühlte mich einfach nur gut und glücklich. Ausgeglichen. Und tief mit meinem Kind verbunden. Ich wusste, wie ich als Mama sein will.

Eine für mich traumatisierende Geburt nahm mir das Gefühl der Bindung zu meiner Tochter.
Ich habe Sie im OP nur ganz kurz sehen dürfen. Dann musste ich warten bis ich aus dem OP wieder im Kreißsaal war und mein Kreislauf sich stabilisierte. Dazu wurde mir vom Personal ein schlechtes Gefühl bezüglich des Mama-sein suggeriert. Erst klappte die Geburt nicht, dann das stillen nicht so wie gewünscht. Also kein rund um guter Start.

Da war sie nun. Meine Tochter. Ja. Was soll ich sagen? Ob sie nun da war oder nicht – das war mir irgendwie schnuppe. So hatte ich doch ein großes Ruhebedürfnis.

Ganz lange habe ich mich noch schwanger gefühlt. Habe viel mit dem Kind in meinem Bauch geredet. Kopf mäßig wusste ich aber, dass sie da ja gar nicht mehr drin war.

Ich habe mich um das Kind gekümmert, es gewickelt, gestillt, es herum getragen. Alles was man so macht. Es störte mich aber auch nicht, wenn sie bei der Verwandtschaft unterwegs war.

Auch wenn es sehr weh tat, andere mit ihr so glücklich zu sehen.

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, das kann es doch nicht sein? Wo war diese berühmte Mutterliebe von der alle sprachen? Ich hatte sie irgendwie nicht. Machte mir dafür Vorwürfe, dass ich irgendwie nicht so aussah wie die Mamas im Fernsehen. Oder alles geschafft habe. Wie oft habe ich zu Hause gesessen mit dem Kind auf dem Arm und geweint und mich dabei schlechte gefühlt. Viel zu oft. Aber so war es nun mal.

Was hatte ich zeitweise für Gedanken. Mein Kind wäre ohne mich besser dran. Das ist nicht mein Kind. Ich kann nie eine gute Mutter für dieses Kind sein.

Ich war einfach todunglücklich. Habe es zeitweise bereut Mutter geworden zu sein.
Es war auch keiner da mit dem ich hätte reden können. Ich habe versucht mein Maske in der Öffentlichkeit aufrecht zu halten. Mein Frauenarzt und auch meine Hebamme wussten von dieses Gefühlen nichts. Auch mein Mann nicht.

Aber sie kam – die Mutterliebe. Nach und nach und in langsamen Schritten. In kleinen Momenten flackerte mein Herz auf. Da war ich auf einmal stolz auf mein Kind und mich oder von Liebe erfüllt.

Solche Momente waren zum Beispiel, als wir die Stillhütchen endlich nicht mehr brauchten, sie mich anlächelte, oder versuchte mit mir in Kontakt zu kommen. Bei Fotos von uns beiden kam dieses Gefühl auf.

Viele kleine Momente, die ich versuchte zu sammeln. Ich habe mir ein kleines Glas genommen und schreibe auch heute noch jeden Tag einen Moment auf, der mich und meine Tochter verbindet. Ein Moment in dem ich tiefe Liebe empfunden habe. Momente, die mir keiner nehmen kann.

Irgendwann nahm ich meinen Mut zusammen und redete mit meinem Mann über mein Problem. Anders als erwartet half er mir sehr und unterstütze mich. Es gab keine Vorwürfe von Ihm.

Richtig gebessert hat sich dieses Gefühl erst, als ich in Therapie war. Wir die Geburt aufgearbeitet haben und ich das Gefühl hatte, ich kann mich auch für meine Tochter einsetzen. Irgendwann stellte sich auch dieses unzertrennliche Band ein. Zumindest gefühlt.

Doch trotz aller Mutterliebe darf man auch als Mama mal genervt sein, kaputt sein und einfach nicht mehr mögen. Mein Mann und ich haben ein Motto: „ Wir lieben uns immer, aber wir mögen uns manchmal nicht“. Und das ist auch völlig ok.

Auch heute gibt es mal Momente, in denen ich mich frage, wo die Liebe hin ist. Dann muss ich mich kurz besinnen und dann ist es nicht die Liebe, die fehlt. Sondern vielleicht einfach gerade Übermüdung oder ein anderes Bedürfnis, was unerfüllt istt. Und auch diese Bedürfnisse müssen wahrgenommen werden.

Dies ist im Alltag nicht immer einfach. Das weiß ich nur zu gut.

Ich bin zwar noch nicht da angekommen, wo ich als Mutter gerne wäre. Aber wir arbeiten dran. Und alleine, dass man sich dem Gefühl nicht einfach hingibt, sondern an sich arbeitet ist auch schon ein großer Liebesbeweis für seine Kinder.

Liebe Mamas,
nicht immer ist die Mutterliebe von Anfang an vorhanden. Manchmal muss sie sich erst aufbauen. Aber gebt nicht auf. Sie ist da. Tief in eurem Herzen und wartet darauf heraus zu kommen.

Manchmal schützt uns einfach der Kopf oder auch das Herz vor Dingen, die wir bereuen würden oder gar vor viel Schmerz.

Inzwischen gibt es viele Hilfen und es bewegt sich in dieser Richtung ganz viel. Scheut euch also nicht euch Hilfe zu holen. Das ist völlig in Ordnung. Und dafür braucht ihr euch nicht zu schämen.

Die Suche nach einem geeigneten Therapeuten erwies sich als nicht ganz so einfach, doch ich habe ein sehr liebe Dame gefunden, die sich sehr auf dieses Gebiet spezialisiert hat. Viele Therapeuten haben mein Problem nicht verstanden. Auch war ich am Ende bereit meine Therapie selber zu finanzieren. Hauptsache mir (bzw. uns) wird geholfen.

Gebt nicht auf, wenn ein Therapeut euch nicht gleich sympathisch ist und sucht weiter. Ein richtiger Therapeut/in ist dabei sehr wichtig.

Ihr seit mit dem Gefühl nicht alleine.
In Liebe, Sandra