Führt Attachment Parenting (bedürfnisorientierte Erziehung) zur Selbstaufgabe?

Bedürfnisorientierte Erziehung, unerzogen Leben in der Familie, Einklang in der Familie

Hast Du diesen Artikel gelesen, in dem Caroline Rosales an Eltern appeliert: „Gebt Euch nicht selbst auf!“ (1) Sie berichtet darin über ihre Erfahrungen mit der sogenannten Bedürfnisorientierten Erziehung, dem sogenannten Attachment Parenting. Diese ständige Rücksichtnahme mache sie fertig. Der Artikel wurde in der Szene einschlägig diskutiert, für beide Sichtweisen gab es pro und kontra und wie immer – dieses wurde nicht nur wertschätzend diskutiert.

Ja, das ist auch meine Beobachtung aus meiner Arbeit mit meinen Klientinnen: Attachment Parenting KANN dazu führen, dass man sich selbst verausgabt, dass man irgendwann nicht mehr kann. Selbst schuld sagt sie: es waren ihre eigenen Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass sie irgendwann isoliert und verausgabt war, dass ihr Alltag von Supermarkt- und Spielplatzmonotonie geprägt waren.

Ist es jetzt Selbstverschulden, wenn man als Mama nicht mehr kann? Ist es die Gesellschaft schuld? Oder gehört es zum Mamasein einfach dazu, dass man sich selbst zurückstellt, den Kindern zu liebe?

Wie bekommst Du die Bedürfnisse Deiner Kinder mit Deinen eigenen in Einklang?

Die Frage ist ehrlich gesagt müßig! Denn es geht hier nicht um die Suche nach dem Schuldigen. Nicht um Schuldzuweisungen. Sondern einzig und allein um die Frage: wie kannst Du es schaffen, dass es Dir wieder besser geht in Deinem Leben als Mama? Dass Du es schaffst, die Bedürfnisse Deiner Kinder mit Deinen eigenen in Einklang zu bringen (deine/n Partner/in lasse ich mal außen vor – der oder die darf das nämlich für sich selbst genauso handhaben).

„Attachment Parenting funktioniert nicht“ (2) hat die wunderbare Nicola Schmidt mal postuliert und spielt damit darauf an, dass eben Rezepte bei Kindern nicht funktionieren. Dass es nicht reicht, ein paar Zutaten in die Schüssel zu geben, die dann über das Gelingen oder Misslingen der Kindererziehung entscheiden.
Es geht auch nicht um die Frage, ob Deine Kinder jetzt bei Dir im Bett schlafen dürfen, ob sie sich bei den Schlafenszeiten oder beim Medienkonsum selbst regulieren sollen oder ob Du da den Fahrplan vorgibst. Es geht einfach nur darum, dass Du ein gutes Verhältnis zu Deinen Kindern aufbaust und pflegst. Und dass es sowohl Dir als auch allen anderen Familienmitgliedern gut geht, ohne dass einer nennenswert zu kurz kommt.

Mittel und Wege gibt es dafür viele – etwa besondere Aufmerksamkeit und Präsenz in Deinen täglichen Handlung, was das Essen oder die Körperhygiene anbetrifft. Freiraum und Zeit, um Dich mit Deinen Kindern treiben zu lassen. Gemeinsame Aktivitäten, die Euch allen gefallen. Freiraum für Dich selbst: für Deine Bewegung und Entspannung, für’s Seele baumeln lassen und für das, was Dein Herz erfüllt.

Achtsam, aufmerksam und präsent kannst Du mit Deinen Kindern aber nur sein, wenn Du es auch mit Dir selbst bist. Deswegen sitzen in meiner Einzelberatung auffällig viele Frauen, die über die sogenannten Bedürfnisorientierte Erziehung sich selbst völlig verausgabt haben, so wie Caroline Rosales (übrigens die Mitgründerin von einem der größten deutschen Elternblogs „StadtLandMama„) es von sich beschreibt.

Hauptsache DU bist glücklich – egal, was die anderen sagen!

Als Mama willst Du für Dein Baby oder Kind das Beste. Nur: was ist denn das Beste? Stimmt das Sprichwort: „Wenn es Dir gut geht, geht es auch Deinem Kind gut?“ Und WANN zum Teufel sollst Du eigentlich dafür sorgen, dass es Dir als Mama gut geht??? Der Tag ist irgendwie immer zu kurz und es ist immer was zu tun. Kochen, putzen, Wäsche waschen, einkaufen, Kinder auslasten oder chauffieren, Sport, Körperpflege, gutes Essen/Kleidung/Interiordesign. Ach ja, da war noch was: die Arbeit! Du hast ja schließlich nicht umsonst so viel Zeit in Deine Ausbildung, Dein Studium, Deinen Beruf investiert – um jetzt nur noch Muttertier zu sein.

Ich will weder das eine noch das andere werten! Wenn Du glücklich zu Hause bei und mit Deinen Kindern bist – wunderbar! Wenn Du gerne früh wieder arbeiten willst und für eine liebevolle und kompetente Betreuung Deiner Kinder sorgst – ebenso wunderbar!

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingung in unseren Breitengraden unterstützen allerdings, dass man sich als Mama (oder Frau?) nicht wohlfühlt. Und zwar völlig gleich, ob Du Kinder hast, oder nicht, ob Du Karriere machst, oder Hausfrau bist. Die Tatsache, dass hierzulande fast jede 5. Mutter an Depressionen erkrankt, die sollte uns aber zu denken geben. Lies hierzu auch Melanie Cousons Antwort auf die Frage: Wer wischt uns eigentlich den Hintern ab, wenn keiner mehr Kinder bekommt? (3)

Es geht darum, dass es Euch ALLEN gut geht!

Was sehr schade an dem Artikel von Rosales ist: durch das Ende nimmt sie sich selbst ein wenig an Glaubwürdigkeit, als sie von einer Episode berichtet, in der sie ihrer Nachbarin eine angezündete Zigarette in den Mund steckt, während das Baby in der Trage schläft. Auch wenn davon sicher keine Lungenentzündung oder chronische Bronchitis entsteht, so ist das doch das falsche Signal und auch am Ziel vorbeigeschossen, bietet es doch einen Nährboden für Argumentationen, die an der eigentlichen Sache dann doch wieder vorbei gehen.

Olivia von freefamily.rocks hat dazu auch jüngst einen Beitrag verfasst, indem sie fragt, wann es noch Selbstliebe ist und wann Egoismus. (4)

Für die gewünschte Zigarette hätte es Lösungen gegeben: zB die andere Mama zu stärken, dass sie doch bloß nicht mit dem Mist wieder anfangen soll. Ihr eine Kippe mitgeben, die sie abends gemütlich auf dem Balkon rauchen kann. Oder die Aussage „das würde ich auch gerne tun“ einfach mal unkommentiert hinnehmen und wertschätzen, Verständnis zeigen – ohne Reaktion.
Es geht nicht darum, seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes durchzusetzen. Ebenso wenig, wie die eigenen Bedürfnisse komplett hinter denen des Kindes zurückzustellen. Es geht darum, dass es Euch allen gut geht in Eurer Familie. Ob Du das jetzt AP, unerzogen, bedürfnisorientiert oder einfach LEBEN nennen willst.

Und tatsächlich: das ist eine der größten Schwierigkeiten im Leben: es sich gut gehen zu lassen. Weil die meisten von uns das nämlich leider nicht gelernt haben, als die Zeit dafür günstig war (also etwa in dem Alter, in dem Deine Kinder vermutlich gerade stecken). Und Du kannst Dir beide Beine ausreißen: ein gutes Verhältnis zu Deinen Kindern setzt ein gutes Verhältnis zu Dir selbst voraus, ohne das geht’s nicht, oder nur wesentlich schwerer.

Indem Du lernst, wie Du Dir selbst gegenüber fürsorglicher sein kannst, Deinen Selbstwert stärkst, mehr Selbstvertrauen gewinnst und Dich täglich in Selbstliebe übst, bist Du in Deinem Alltag gelassener, souveräner und milder. Mit Deinen Kindern, Deinem Partner, Kollegen und Bekannten – aber vor allen Dingen mit Dir selbst!

Das wichtigste zum Schluss: Lass Dir nicht von anderen vorschreiben, wie Du mit Deinen Kindern umgehen solltest. Lerne, Dir selbst wieder zu vertrauen, kluge Entscheidungen zu treffen und für Dich und Deine Belange (und natürlich die Deiner Kinder) souverän einzustehen.

In meinem eBook „Selbstvertrauen als Mama gewinnen“ gehst Du hierzu 3 sehr einfache aber effektive Schritte und ich helfe Dir mit der extra für Dich aufgenommenen Atemmeditation, gelassener im Familienalltag zu bleiben. Unten kannst Du Dich direkt eintragen.

In diesem Sinne: lass es Dir gut gehen, Mama!
Von Herzen alles Liebe,
Isabel Falconer, Diplom Sprtiwssenschaftlerin, Trainerin und Coach für berufstätige Mütter, die Vereinbarkeit meistern wollen

 

 

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(1) Caroline Rosales: „Eltern, gebt Euch nicht selbst auf“ ZEITonline, Zugriff am 30.08.2017 // 13:17h
(2) Nicola Schmidt: „Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht“ auf 1-2-3-windelfrei.de, Zugriff am 30.08.2017 // 13:21h
(3) Melanie Couson: „Wer wischt uns eigentlich den Hintern ab, wenn keiner mehr Kinde bekommt? auf melanicouson.de Zugriff am 30.08.2017 // 13:25h
(4) Olivia Asiedu-Poku: „Mama-sein und wo bleib ich? Noch Selbstliebe oder schon Egoismus?“ auf freefamiliy.rocks, Zugriff am 30.08.2917 // 13:31