Als Mutter musst Du Dich ja nicht gleich gehen lassen!

Als Mutter gehen lassen

„Nur weil man jetzt Mutter ist, muss man sich ja nicht direkt gehen lassen!“ Diesen Satz schlug mir meine Gesprächspartnerin während meiner zweiten Schwangerschaft um die Ohren. Sie adressierte damit gar nicht mich persönlich, sondern erzählte von ihren Beobachtungen im Bekanntenkreis, nach denen – kaum war ein Kind unterwegs oder auf der Erde gelandet – Mütter sich weder um ihr Aussehen, noch um Körperhygiene oder Förderung und Pflege des eigenen Intellekts mehr scherten. Oder anders gesagt: Um ihre Außenwirkung.

Nun gehöre ich ja zu der mütterfreundlichen Fraktion und empfehle auch und gerade beim ersten Kind, sich ein wenig Zeit zu gönnen, bis man im neuen Leben, das ja meist erst einmal Kopf steht, so richtig angekommen ist. Unter – vor allem bedürfnisorientiert erziehenden – Eltern geistert folgender Spruch durch’s Netz: „Good moms have sticky floors, dirty ovens and happy kids“. Bei aller Liebe: kann ich so nicht unterschreiben! Ja, das Leben mit Kind ist mitunter chaotisch: kaum ist der Küchenboden gewischt, kippt zielsicher eins der Brutlinge seinen klebrigen Orangensaft darüber aus. Da ist eine ordentliche Portion Gelassenheit durchaus angebracht. Und nein, ich will hier gar nicht ins Gegenteil schlagen und Dich dazu anhalten, Deine Hausarbeit vor die Kinder zu stellen. Aber wir LEBEN ja nun einmal in diesem Heim und da darf es doch ruhig gemütlich, wohlig, eben heimisch sein. Nicht zu vergessen, dass wir ja – so langfristig gesehen – uns für die lieben Kleinen wünschen, dass aus ihnen mal liebe Große werden, die ihr Leben auf die Reihe und organisiert bekommen. Und wie immer gilt: Kinder lernen am Modell, wer Wasser predigt und Wein trinkt, macht sich selbst schnell unglaubwürdig. Die haben da ein untrügliches Gespür für!

Von der Anspruchshaltung zum Mütterkult

Die Debatte um Mütterthemen wird zuweilen hitzig geführt – nicht nur über Mütter, nein auch VON ihnen. Dabei fällt mir in der letzten Zeit zunehmend eine Anspruchshaltung auf, eine Entwicklung, die in Richtung Mütterkult geht. Hatten wir schon mal – hat nicht funktioniert – war sogar richtig gefährlich und die Nachwehen spüren wir bis heute (ja, ich rede von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts)! Und auch wenn es für Eltern ein riesen Schritt ist, ein Kind zu bekommen – so hart es klingt, bleibt es doch nur ein kleiner Schritt für die Menschheit. Wir Mütter bekommen nichts auf dem Präsentierteller serviert, „nur, weil wir Mama geworden sind“. Und meines Erachtens ist das auch weder nötig noch angebracht!

Lass mich das Thema von der anderen Seite beleuchten: Du bist jetzt Mama und möchtest etwas haben. Einen anständigen Kitaplatz, ein gutes Verhältnis zur Lehrerin Deines Sprösslings, den neuen Job mit zehn Stunden im Homeoffice / flexiblen Arbeitszeiten, mehr Unterstützung von Partner oder Kindern, oder mehr Kunden bzw. Klientinnen in Deiner Tätigkeit als Solounternehmerin. Damit Du Dein persönliches Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf leben kannst. Fair enough, das ist Dein gutes Recht. Was mir allerdings in den letzten fünf Jahren intensiver Beobachtung der Mütterwelt (online wie offline) aufgefallen ist, ist eine hohe Anspruchshaltung, die in keiner Relation zum geleisteten Dienst steht. Wer etwas haben will, muss schauen, was er seinem Gegenüber dafür bieten kann. Das benötigt eine ordentliche Portion Feingefühl und Einfühlungsvermögen. Was braucht Dein Gegenüber von Dir, damit er einen Nutzen, einen Mehrwert darin sieht,

– ausgerechnet Dir den Kitaplatz zu offerieren,
– Deinem Kind nachsichtiger und verständnisvoller im Unterricht zu begegnen,
– Dir als Einziger im Team das Homeoffice zu gewähren,
– Deinen Ansprüchen in Haushalt oder Freizeitgestaltung zu genügen,
– Ausgerechnet bei Dir zu kaufen und nicht bei der Konkurrenz, die 10% günstiger ist?

Da kommt es sehr wohl auf Deine Außenwirkung an. Auf Deine angemessene Kleidung, aber auch auf Deine Manieren, Deine Empathie und ja: Deinen Altruismus.

Und wieder: so hart es klingt, die Welt hat nicht auf Dich gewartet. Natürlich dreht sich DEINE Welt um DICH (und Deine Kinder). Das ist gut und richtig so, solange Du a) nicht erwartest, dass das für die anderen ebenso gilt und b) dabei im Blick behältst, dass Dein Gegenüber seinen eigenen Mikrokosmos hat. Ein schmaler Grat in unseren über-individualisierten Zeiten und es ist nicht immer leicht, da einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten passt. Aber die Freiheit des einen endet nun mal da, wo die des anderen bedroht wird oder zu schaden kommt. Ohne jetzt in allzu philosophische Fragestellungen zu verfallen. Wir leben in einer Meckerkultur und vergessen darüber oft die Dankbarkeit für das, was wir haben.

Stichwort: Eigenverantwortlichkeit

Ja, wir Mamas haben es nicht immer leicht, so gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich gesehen. Aber das haben auch Rentner nicht, Menschen mit Behinderung, unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund, anderer Ethnien, Hautfarbe oder Konfession. Was oft vergessen wird: wir sind wahnsinnig privilegiert in unseren Breitengraden. Es gibt Bildung für alle, ein weitestgehend funktionierendes Gesundheitssystem, ein soziales Netz, das einen auffängt, wenn das Leben einem übel mitspielt. Zwei Sachen sind dafür nötig: Die Augen und den Geist zu öffnen, für die ungeahnten Möglichkeiten, die sich einem bieten. Und eine laute Stimme, die Ungerechtigkeiten offen anspricht, die eigenen Bedürfnisse im Einklang mit denen der anderen kommuniziert und für beide Seiten zufrieden stellende Lösungen sucht, mit einer gewissen Chuzpe und Nachdrücklichkeit, wenn es beim ersten, zweiten, dritten Versuch nicht klappt.

Du willst etwas haben? Dann kümmer Dich drum – es macht nämlich sonst leider keiner. Es ist sehr selten, dass Dir jemand Deine Wünsche von den Augen abliest und Deinen Bedarf nicht nur erkennt, sondern auch angemessen erfüllt. Das macht ein guter Kellner im Nobelrestaurant, der wird dafür aber erstens bezahlt und möchte zweitens auch ein angemessenes Trinkgeld haben. Eigenverantwortlichkeit ist hier also das Stichwort! Und wieder: damit lebst Du Deinen Kinder etwas enorm Wichtiges vor. Achtung, jetzt wird’s richtig kompliziert: das bedeutet auch, so einfühlsam zu sein (Dir und ihm gegenüber), dass Du Deinem Gegenüber SEINE Eigenverantwortlichkeit nicht abnimmst (auch wenn er es hartnäckig versucht, sie Dir aufzuhalsen).

Humane Ressource: Du!

Vergangene Woche durfte ich den Vortrag zum Jahresauftakt bei den Mompreneurs halten. Es gib, wie könnte es anders sein?, um das Thema „Mompreneur im Einklang“. In der Vorstellungsrunde fiel wiederholt der Satz: „Ich bin heute hier, obwohl das ja gar kein Hardcore-Business-Thema ist“. Nachdem sich alle vorgestellt hatten, musste ich vehement widersprechen! Denn Du bist die humane Ressource! Egal, ob als Mama, als Einzelunternehmerin, als Angestellte oder in Führungsposition – Dein eigenes Wohlergehen ist wichtig, für das, was Du machst. Du kannst keinen Dienst am anderen leisten, wenn Du nicht Dir selbst dienst. Und Dich im Sinne eines altruistischen Egoismus immer fragst: Was hast Du selbst davon? Und: was hat Dein Gegenüber von Dir?

Ich bin sehr gespannt, was Du zu meinem – doch recht unpopulären – Thema zu sagen hast! Hinterlasse mir unten Deinen Kommentar und Deine Sichtweise. Und ja: kontroverse Diskussionen im Rahmen der Netiquette sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht!

Alles Liebe,

Isabel Falconer

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5 Kommentare

  1. Pingback: Als Mutter musst Du Dich ja nicht gleich gehen lassen! | Bestbloggers.de

  2. Hallo Isabel :). Ein wichtiges Thema, das du anschneidest und eines, das heiß diskutiert ist. Ich finde, dass es wie immer im Leben ist: Wer keine Ahnung hat sollte doch bitte nichts sagen, niemand (auch Mütter) kann sich in eine (werdende) Mutter hineinversetzen, denn jeder ist einzigartig, fühlt anders, lebt anders. Wahrscheinlich ein Grundm warum ich vor allem deinen Absatz der Eigenverantwortlichkeit so wichtig finde: Du hast recht, letztlich musst jeder schauen, wo er bleibt. Jetzt man abgesehen von der Familie und/oder sehr engen Freunden wirst du nur wenige finden, die zumindest versuchen, deine Wünsche und Sehnsüchte zu verstehen. Womit ich wieder zum Anfang komme: Jeder sollte sich – im vernünftigen Rahmen – zuerst einmal um sich kümmern.

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Isabel Falconer

      Liebe Susanne,
      danke für Dein Gedanken! Ja, jeder kümmert sich im Sinne der Eigenverantwortlichkeit um sich selbst, ohne die anderen dabei aus dem Blick zu verlieren. Meiner Ansicht nach DIE Voraussetzung für eine liebevollere und friedlichere Welt! Wir bleiben dran.
      Alles Gute für Dich und Deine tolle Arbeit,
      LG, Isabel

  3. Ich denke, es geht dabei nicht um mutwilliges „sich gehen lassen“. Als Mutter denke ich nicht bewusst „ach, jetzt habe ich eine Rechtfertigung – ich höre auf, meine Haare zu machen oder jeden Morgen frisch geduscht zu sein. Mir fehlt ganz einfach die Zeit und Energie dazu! Und ganz ehrlich, wenn ich die Wahl habe zwischen ein paar Minuten Pause und einem Moment für mich und dem perfekten Look – für mich ist die Entscheidung klar. Und wer mir den Kita-Platz nicht gibt, weil ich ihm nicht gut genug gestylt bin, der soll es bitte lassen (Ich habe im übrigen, obwohl ich nicht immer alle sozialen Regeln befolge, einen Platz in einer Coworking-Kita, um den sich auch sehr viele andere Eltern beworben haben, weil es nur 12 davon gibt)!!!

    • Isabel Falconer

      Nein, Du hast völlig Recht! Es ist aber ein Ausdruck dafür, wie wichtig man sich selbst als Mutter nimmt. Und das kann, muss aber nicht ein Styling sein, mit dem man sich wohlfühlt, oder der von Dir angesprochene Moment Pause nur für Dich. Durch Selbstfürsorge (zB Kleidung in der man sich schön und wohl fühlt, oder gutes Essen, oder eine ausgiebige Dusche mit anschließendem Wellness-Programm, oder durch Auszeiten oder,oder,oder) sendet man seinem eigenen Körper und damit seiner Seele wichtige Signale aus. Nämlich: ich nehme mich wichtig. Und das strahlt von innen nach außen. Ein Feld, das flexibel an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden kann und sollte!
      Vielen Grüße,
      Isabel

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